Der US-Präsident machte klar, dass die Übergabe der Macht im Irak nach einem Zeitplan erfolgen wird, den Washington festlegt.
NEW York. Die USA werden sich in ihrer Irak-Politik weder von Frankreich noch von anderen Staaten einen Zeitplan diktieren lassen: Das machte US-Präsident George W. Bush noch vor seiner gestrigen Rede vor der UN-Vollversammlung in einem Interview mit dem Fernsehsender "Fox" klar.
Ein schrittweiser Machttransfer sei ein wichtiges Element im Entwurf der USA für eine neue UNO-Resolution. Und dieser Machttransfer sehe erst die Erstellung einer Verfassung vor, dann solle es Wahlen geben und erst dann werde die Souveränität an das Parlament übergeben.
Frankreichs Präsident Jacques Chirac hatte eine rasche Übergabe der symbolischen Autorität gefordert. In dem "Fox"-Gespräch meinte Bush, er hoffe, dass Frankreich mit der Zeit seine Entscheidung zum Einmarsch im Irak verstehen werde. Chirac bezeichnete er als einen Mann mit starkem Willen, der den wohlüberlegten Versuch unternommen habe, mehrere Nationen gegen die Irak-Politik der USA anzuführen.
Das habe in Amerika sehr viel Sorge verursacht. Bei einem Treffen mit dem französischen Präsidenten, das in der Nacht zum Mittwoch in New York stattfand, wollte Bush seinem Amtskollegen "sehr deutlich" sagen, dass die USA eine gute Nation seien, die interveniere, wenn sie Leid sehe; wenn es eine Bedrohung gebe, dann würden die USA auch Schritte dagegen unternehmen. Er hoffe darauf, dass Chirac das irgendwann verstehen werde.
Versöhnlicher zeigte sich Bush gegenüber seinem zweiten großen Widersacher, dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder, den er heute, Mittwoch, in New York treffen wird. Schröders Ablehnung des Irak-Kriegs erklärte Bush mit der Wahl in Deutschland. Die Deutschen seien eben seit ihren Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg Pazifisten und wollten keinen Krieg mehr. Er, Bush, anerkenne aber die Unterstützung Schröders, der angeboten hatte, dass Deutschland irakische Polizisten ausbildet.
Vor seinem Treffen mit Bush zeigte sich Chirac ungebrochen zuversichtlich, dass die Freundschaft zwischen Frankreich und den USA die jüngsten Differenzen in der Irak-Politik überstehen wird: Es gebe viele historische Gemeinsamkeiten, die die Allianz begünstigten, sagte Chirac am Montag bei der Einweihung einer französischen Schule in New York.
Das Bush-Interview - das erste seit sechs Monaten - ist ein Teil der Offensive, die das Weiße Haus auf Grund sinkender Umfragewerte gestartet hat. Bush zeigte sich in dem Gespräch mit seinem Haus-und-Hof-Sender bei einem Gang durch den Garten des Regierungssitzes menschlich: Auf seine Meniskus-Verletzung, die ihn am Joggen hindere, machte er ebenso aufmerksam wie auf sein tägliches Gebet.
Und schließlich stellte der US-Präsident fest: "Ich bin ein Mann des Friedens", nur habe man ihn gezwungen, einen Krieg gegen den Terrorismus zu führen.