Kurz vor dem Wahltag sieht sich Schwarzenegger neuen Vorwürfen ausgesetzt.
LOS ANGELES. Es war nicht der Tag des erfolgverwöhnten Arnold Schwarzenegger. In der Früh erschien die "Los Angeles Times" mit einer Aufmachergeschichte, in der sechs Frauen von sexuellen Belästigungen durch den Schauspieler berichten. Am Abend strahlte der Sender ABC einen langen Beitrag mit einem Transkript eines angeblichen Schwarzenegger-Interviews aus, in dem er sagt: "Ich bewundere Hitler."
Dass derartige Angriffe während des Wahlkampf kommen, hatte der gebürtige Österreicher vorausgeahnt. Schon bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur sagte er: "Sie werden mich persönlich angreifen und mir vorwerfen, ich sei ein Womanizer." Dass die Vorwürfe gerade jetzt, wenige Tage vor der Wahl am Dienstag, kommen, sei Zufall. Die "Los Angeles Times", die Schwarzeneggers Kandidatur stets kritisch verfolgte, erklärte, man habe sieben Wochen an der Sex-Geschichte recherchiert und sie veröffentlicht, als sie fertig war.
In dem Bericht kommen sechs Frauen - vier davon anonym - zu Wort, die von sexuellen Übergriffen in den vergangenen 30 Jahren berichten. Schwarzenegger habe ihnen an die Brust gegriffen, unter den Rock gefasst, eine erzählt, der Bodybuilder wollte ihr im Aufzug den Badeanzug ausziehen. Keine der Frauen hat Anzeige erstattet.
Schwarzenegger reagierte mit einem überraschenden Eingeständnis: Es stimme, dass "ich Dinge getan habe, die nicht richtig waren, die ich damals für spielerisch hielt. Aber jetzt begreife ich, dass ich Leute beleidigt habe". Er bedauere das zutiefst und entschuldige sich für sein Verhalten. Als Gouverneur wolle er zeigen, dass er für die Frauen da sein kann. "Ich hoffe, ihr gebt mir die Chance, das zu beweisen."
Die Nazi-Vorwürfe sind womöglich gravierender. Laut ABC hat Schwarzenegger 1975 bei den Dreharbeiten zu seinem ersten Film "Pumping Iron" ein Interview gegeben, in dem er auch über Adolf Hitler sprach: "Ich bewundere Hitler, weil er es von einem kleinen Mann ohne große Bildung an die Macht geschafft hat. Ich bewundere ihn, weil er so ein guter Redner war und dafür, was er mit diesem Talent geschafft hat." Weiters soll der Steirer gesagt haben, er hätte auch gerne ein solches Erlebnis wie Hitler im Stadion in Nürnberg: "All die Leute, die wegen dir schreien und dir völlig zustimmen, egal, was du sagst."
Ausgegraben hat das Interview der Regisseur von "Pumping Iron", George Butler. Der Schauspieler selbst wies die ihm unterstellten Aussagen zurück. "Ich verachte alles, wofür Hitler stand; ich verachte alles, wofür die Nazis standen und alles, wofür das Dritte Reich stand." Wegen der Nazi-Vergangenheit seines Vaters war er schon öfter attackiert worden.