Der US-Präsident wird an mehreren Fronten aktiv: beim Militär, bei den Familien der Opfer des Irak-Kriegs und auch im Vorwahlkampf.
WASHINGTON. Man muss es in Relation setzen, um ein Gefühl für die Summe zu bekommen: Österreichs Verteidigungsausgaben für das Jahr 2003 würden nicht einmal reichen, um das US-Militär zwei Tage lang zu finanzieren. 401,3 Milliarden Dollar hat Präsident George W. Bush im Haushaltsjahr 2004 seinem Heer zugestanden - so viel, wie noch nie zuvor. Österreichs Verteidigungsbudget: 1,74 Milliarden Euro.
"Das Militär steht zwischen unserem Land und tödlichen Gefahren", erklärte Bush bei der feierlichen Unterzeichnung des Budgets im Pentagon. Und weil "unser Militär große Opfer bringen" muss, wie der Präsident betonte, bekommen die Soldaten im kommenden Jahr auch eine kräftige Gehaltserhöhung - 4,15 Prozent. Das Rekordbudget soll vor allem eines signalisieren: Die Bedrohung der USA ist aktuell, und der Präsident reagiert auf diese Gefahren - eben auch mit Gehaltserhöhungen.
Stärke demonstriert man jetzt bereits auch in Iowa, wo Mitte Jänner die Vorwahlen für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten beginnen. In TV-Spots verteidigt die republikanische Partei den Krieg gegen den Irak (gesprochen wird immer nur vom "Krieg gegen den Terror"). Der 30 Sekunden lange Werbefilm kombiniert Auszüge aus Bushs Rede zur Lage der Nation mit Seitenhieben auf die Demokraten. In ihren Werbespots bezichtigen John Kerry und Howard Dean den Präsidenten wiederum, die Öffentlichkeit falsch informiert zu haben.
Auf einen anderen Vorwurf, nämlich den der Hartherzigkeit, hat das Weiße Haus jetzt reagiert. Bisher hatte man sich stets bemüht, Bilder und Berichte über gefallene US-Soldaten hintanzuhalten. So gilt auf den Flugbasen, auf denen die Särge ankommen, ein Foto- und Filmverbot; am Heldenfriedhof Arlington lässt man Journalisten seit neuestem Beerdigungen nur noch aus großer Entfernung beobachten.
Fotos von weinenden Frauen und verstörten Kindern will die Regierung nicht in den Zeitungen sehen. Deshalb hat Bush bisher auch an keiner der 431 Beerdigungen teilgenommen, von denen 40 in Arlington direkt vor den Toren Washingtons stattfanden. Kritiker warfen Bush vor, sich nicht um die Hinterbliebenen der getöteten Soldaten zu kümmern; das Weiße Haus ließ dagegen verlauten, der Präsident wolle nicht in die Privatsphäre trauernder Familien eindringen.
Jetzt aber traf sich Bush mit 98 Angehörigen von 26 getöteten Soldaten und ließ eine breite Berichterstattung zu. Zuvor hatte er sich einmal privat mit Angehörigen getroffen. Das jüngste Treffen fand auf der Militärbasis von Fort Carson in Colorado statt, die 31 Soldaten im Irak verloren hat. Zwei Stunden lang sprach der Präsident mit den Familien und gab Autogramme. Er dankte den Angehörigen der Gefallenen und betonte, dass er für sie bete.