Schwarzenegger: 14 Millionen Dollar für eine Kandidatur

Am Dienstag soll die Abwahl des amtierenden Gouverneurs Davis Arnold Schwarzenegger den Sprung in die Politik ermöglichen.

los Angeles. Die angeblichen sexuellen Belästigungen von Frauen durch Arnold Schwarzenegger bestimmten die Schlussphase des Wahlkampfs in Kalifornien. In der "Los Angeles Times" beschrieben nun bereits 15 Frauen, wie sie von ihm belästigt wurden. Schwarzenegger selbst wies in einem Interview mit dem Fernsehsender "NBC" die Vorwürfe zurück: Ja, er sei früher ein bisschen rauer und direkter gewesen sei, aber die Vorwürfe seien zum Teil erfunden.

Für den direkten Konkurrenten, Gouverneur Gray Davis, der heute abgewählt werden soll, bedeuten die Enthüllungen Auftrieb: In den Umfragen nimmt die Zustimmung zu seinem "Recall" deutlich ab. Meinungsforscher wollen sich nicht festlegen, ob die Abwahl überhaupt durchgeht.

Davis nützt die Schilderungen der Frauen für scharfe Angriffe auf Schwarzenegger: Kalifornien dürfe nicht einen Kriminellen zum Gouverneur wählen. Denn das, was der gebürtige Österreicher getan habe, sei strafbar, auch wenn keine der 15 Frauen Anzeige erstattet hätte. Der Gouverneur trat in den letzten Stunden vor dem Urnengang als reuiger Sünder auf: Er wolle künftig mehr auf die Wähler eingehen, er habe die Warnung verstanden. Aber nun solle man ihn weiterarbeiten lassen, damit er den Staat sanieren könne.

Darauf will Schwarzenegger, der vier Tage mit einem Buskonvoi namens "California Comeback Express" von San Diego über Los Angeles bis nach Sacramento getourt ist, nicht warten. Bei einem Auftritt in der Hauptstadt schwang er einen Besen und meinte neuerlich, er werde nach der Wahl sofort mit dem Aufräumen beginnen.

Bei der Veranstaltung kam es wieder zu Demonstrationen gegen den Schauspieler. Auf einem Plakat wurde er zum "Gropernator" gemacht, eine Anspielung auf seine Filmrolle "Terminator" (das Wort "grope" bedeutet so viel wie grapschen). "Terminiert den Sexismus", forderte eine Demonstrantin. Schwarzenegger erklärte in dem NBC-Gespräch, er werde detailliert auf die Vorwürfe der Frauen eingehen - allerdings erst nach der Wahl. Teilweise würden sich die Anschuldigungen aber allein durch seinen Terminkalender widerlegen lassen: In einem Fall sei er nachweislich gar nicht in Kalifornien gewesen.

In dem Interview beklagte er sich auch über die Schmutzkübel-Kampagne und die Enthüllungen: "Es gab ungewöhnlich viele Dinge. . . Sie wissen schon, über Frauen und so, die ich nicht erwartet habe. Es ist so, als kämen all diese Dinge plötzlich aus dem Nichts."

Unterdessen zog die Tageszeitung "Oakland Tribune" ihre offizielle Unterstützung für den republikanischen Kandidaten Schwarzenegger zurück. Man könne ihn nicht länger mit gutem Gewissen den Lesern zur Wahl empfehlen, hieß es in einem Kommentar.

Schwarzenegger schloss seinen Wahlkampf, der fast 14 Millionen Dollar gekostet hat, am Montag mit einer Tour per Flugzeug zu drei Veranstaltungen im westlichsten Bundesstaat der USA ab.

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