Guatemala: Ex-Diktator bewirbt sich um Präsidentenamt

Gewalt und Verunsicherung überschatten die Präsidentschaftswahlen am Sonntag in Guatemala. Hauptgrund ist die Kandidatur von Ex-Militärdiktator Ríos Montt.

GUATEMALA-STADT (hoe). Knapp fünf Millionen Wahlberechtigte sind am Sonntag in Guatemala aufgerufen, neben Parlamentsabgeordneten und Bürgermeistern auch ein neues Staatsoberhaupt zu wählen.

Schon im Vorfeld des Urnengangs hat eine Welle der Gewalt das mittelamerikanische Land erschüttert. Mehr als 20 Oppositionspolitiker sind in den vergangenen Wochen ermordet worden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat im laufenden Jahr so viele Menschenrechtsverletzungen wie noch nie seit Ende des Bürgerkriegs vor sieben Jahren registriert. Gleichzeitig sind vor allem am Land die Wahllisten lückenhaft, in den entlegenen Maya-Dörfern kommt es immer wieder zu Repression und Stimmenkäufen.

Von internationalen Beobachtern wird vor allem die Präsidentschaftskandidatur von Efrain Ríos Montt für das Eskalieren der Gewalt verantwortlich gemacht. Das Antreten des 77-jährigen Ex-Diktators ist umstritten. Erst im Sommer hob der Verfassungsgerichtshof jenen Gesetzespassus auf, der bisher eine Rückkehr von ehemaligen Putschisten an die Staatsspitze verhinderte. Ríos Montt hatte sich 1982 an die Macht geputscht. In der 18-monatigen Amtszeit des Generals erreichte die Verfolgung der indigenen Landbevölkerung ihren Höhepunkt.

Zwanzig Jahre später steigt er für die rechtsgerichtete Republikanische Front Guatemalas (FRG) in den Ring. In letzten Meinungsumfragen rangiert er allerdings nur an dritter Stelle, deutlich hinter dem rechtskonservativen ehemaligen Bürgermeister von Guatemala-Stadt, Oscar Berger (Große Nationale Allianz) und dem Mitte-Links-Kandidaten Alvaro Colom.

Keinem der insgesamt zwölf Kandidaten wird zugetraut, im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit zu erreichen. Stichwahlen am 28. Dezember gelten als sicher. Die Chancen für Ríos Montt stehen schlecht. Deshalb wird befürchtet, Sympathisanten des Ex-Generals könnten durch gezielte Störmanöver die Wahlen am Sonntag sabotieren und das Land in eine neue Krise stürzen.

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