Unternehmertum: Viele Wege führen in den Chefsessel

Schlechte Noten sind kein Hindernis - aber fehlende Risikofreude und Kreativität schon, sagt eine US-Studie.

Unternehmer sind die wichtigsten Einzel-Akteure in der modernen Wirtschaft. Sie sorgen dafür, dass Wettbewerb die Wirtschaft am laufen hält, dass sich die Unternehmenslandschaft ständig an neue Bedingungen anpasst - und sie zählen zu den Bestverdienern. Wer sind diese Menschen? Welche Fähigkeiten zeichnen sie aus? Wer wird Unternehmer?
Theorien dazu gibt es viele. So heißt es, dass Firmengründer weniger risikoscheu seien, dass sie kreativer als andere seien - oder auch, dass viele keine Alternative hatten als sich selbstständig zu machen.

Der US-Ökonom Edward Lazear, der die heurigen Europäischen Wissenschaftstage in Steyr geleitet hat, meint, dass keine dieser Erklärungen für sich genommen richtig ist. Er ist vielmehr davon überzeugt, dass ein Unternehmer typischerweise eine Person mit vielen Facetten ist. Er habe Wissen in vielen verschiedenen Disziplinen, ohne allerdings in einzelnen Gebieten einem Spezialisten das Wasser reichen zu können.

Lazear kann diese Ansicht empirisch sehr gut belegen - und zwar mit einem weltweit einzigartigen Datensatz, in dem das gesamte Berufsleben von mehr als 5000 Absolventen der Stanford Business School, einer der renommiertesten Karriereschmieden in den USA, aufgezeichnet ist.

Das Ergebnis: Der mit Abstand wichtigste Erklärungsfaktor dafür, ob jemand Unternehmer wird, ist die Zahl der verschiedenen Rollen, die er (sie) im Berufsleben gespielt hat. Unternehmer hatten im Schnitt mehr als fünf verschiedene Positionen, der typische Stanford-MBA-Absolvent etwas über drei. Nur ein Prozent jener, die nur drei verschiedene Posten innehatten, mutierte zu Firmengründern, hingegen 29 Prozent jener, die mehr als 16 verschiedene Jobs hatten. Lazear hat aus diesen Daten errechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, Unternehmer zu werden, mit jeder weiteren beruflichen Tätigkeit um 2,26 Prozentpunkte steigt.

Der Forscher schränkt aber ein: "Das heißt natürlich nicht, dass es günstig ist, möglichst oft den Job zu wechseln." Denn interessanterweise ist die durchschnittliche Zugehörigkeit zu einer Firma - allerdings in verschiedenen Positionen - bei späteren Unternehmern deutlich länger als bei Spezialisten.

Eines belege dieses Ergebnis in Lazears Augen aber eindeutig: "Unternehmer-Persönlichkeiten wollen sich nicht auf eine bestimmte Rolle festnageln lassen." Unternehmer brauchen auch keine Fachleute auf verschiedenen Gebieten zu sein, denn dafür haben sie Spezialisten. Sie müssen aber sehr wohl über die Grundzüge eines Fachs Bescheid wissen, um die richtigen Mitarbeiter auszuwählen.

Sehr gut zu diesem Ergebnis passt eine weitere Untersuchung, bei der Lazear Daten aus dem Berufsleben mit Uni-internen gekoppelt hat. Künftige Unternehmer haben demnach schon im MBA-Programm ein deutlich breiteres Lehrangebot genutzt. Sie haben Kurse in verschiedenen Fachgebieten belegt, und ihre Noten sind quer über die Gebiete deutlich  ausgeglichener als bei den späteren angestellten Managern oder Spezialisten. Allerdings zeigen sich in den Noten typischerweise keine ausgeprägten Stärken. Und: Der Notendurchschnitt ist schlechter als bei den Kollegen.
Sehr interessant ist auch die Analyse der Einkommenssituation der Stanford-Absolventen. Am unteren Ende der Einkommensverteilung besteht praktisch kein Unterschied zwischen Unternehmern und Spezialisten, sehr wohl aber am oberen Ende, wo sich fast nur Unternehmer positionieren konnten. Im Durchschnitt verdient ein Unternehmer aus dem Stanford-Datensatz um 15 Prozent mehr, dieses Einkommen steigt um 3,3 Prozentpunkte schneller als das von Angestellten.

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