Österreich: Firmen sind Weiterbildungsmuffel

Die Zahl der Arbeitstage, die heimische Firmen ihren Mitarbeitern für die Aus- und Weiterbildung widmen, ist nur halb so groß wie im EU-Schnitt.


BRÜSSEL/WIEN. Österreichs Unternehmen geben ihren Mitarbeitern wenig Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung. Das ist eines der Hauptergebnisse einer Studie im Auftrag der EU-Kommission, zu der 3014 Leiter von Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten befragt wurden.

Demnach widmen die EU-Unternehmer ihren Mitarbeitern im Durchschnitt 11,6 Arbeitstage für die Bildung. Spitzenreiter ist Großbritannien mit 21 Tagen, gefolgt von Portugal (20,5) und Italien (19,1 Tage). Nur an elfter Stelle liegt Österreich mit 6,2 Fortbildungstagen pro Jahr, Schlusslichter sind Dänemark und Finnland.

Die berufliche Aus- und Weiterbildung ist interessanterweise in mittelgroßen Unternehmen am besten, bei Firmen mit 20 bis 49 Mitarbeitern werden ihr 12,5 Tage gewidmet. Junge und exportorientierte Unternehmen geben der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter einen höheren Stellenwert.


Wo sollte die Fortbildung in den Augen der Manager am besten erfolgen? Europaweit sind 54 Prozent der Befragten der Meinung, dass sie unternehmensintern am besten aufgehoben ist. In Portugal sind das sogar 70 Prozent der Firmenchefs, hierzulande nur 48 Prozent. Österreich liegt dafür bei der Weiterbildung in halbstaatlichen Institutionen an der EU-Spitze. Bei der Wertigkeit privater Weiterbildungsorganisationen ist Österreich genau im EU-Schnitt.


Die Ziele für die berufliche Aus- und Weiterbildung sind europaweit sehr ähnlich: An erster Stelle liegt die Motivation, dass sich die Mitarbeiter neue Kompetenzen aneignen und sich Veränderungen anpassen. Priorität hat dabei die Weiterbildung des technischen und kaufmännischen Personals. Die Ermöglichung einer akademischen Ausbildung liegt überall an letzter Stelle. Schlusslicht ist dabei Österreich, wo nur fünf Prozent der Manager größere Anstrengungen für nötig erachten. Im EU-Schnitt liegt dieser Wert bei 13, in Deutschland gar bei 18 Prozent.


Die Qualifikation der Mitarbeiter ist in den Augen europäischer Unternehmen der wichtigste Faktor für die Innovationsstärke. Allerdings gilt das nicht für alle Länder gleichermaßen: Während im EU-Schnitt 49 Prozent der Spitzenmanager - zumindest verbal - ihre Mitarbeiter hofieren, liegt der Prozentsatz in Österreich bei 61 Prozent, Deutschland und Finnland folgen mit 60 bzw. 58 Prozent; am unteren Ende der Skala liegen die Niederlande mit einem Wert von 26 Prozent. Dort werden andere Faktoren als wesentlich für die Innovationskraft angesehen: An erster Stelle die Kooperation mit Lieferanten und Kunden, gefolgt von der Anpassungsfähigkeit an Marktbedürfnisse.

Die Autoren der Studie können sich eine Anmerkung nicht verkneifen: Zwischen den von Firmenchefs definierten Erfordernissen an die Aus- und Weiterbildung und den Anstrengungen, die dafür unternommen würden, bestehe eine "deutliche Lücke". Die Aus- und Weiterbildungsangebote für Mitarbeiter müssten jedenfalls weiter entwickelt werden.

Von der Regierung wird im Gegensatz zur Schulbildung für Weiterbildung zu wenig gemacht, meint der im Fachverband der Wirtschaftskammer für diese Berufsgruppe zuständige Management-Trainer und Organisationsentwickler Niki Harramach. "Wir wollen keine Almosen" - aber aus den Versäumnissen der Politik resultiere die vergleichsweise niedrige Weiterbildungs-Quote.

Undurchsichtiges Angebot
Die Branche selbst habe durch Konjunkturflaute, New-Economy-Pleiten und Börsencrash ziemlich zu kämpfen. Viele Beratungsfirmen erleiden teils massive Umsatzrückgänge. Sie reagieren oft mit Aufnahmestopps und Mitarbeiterabbau, so Harramach.

Viele Trainer machen sich selbstständig. Dabei sei der Markt ohnehin schon von Einzelkämpfern dominiert. Andere wiederum versuchen an ein bestehendes Netzwerk anzudocken. Kurt Durnwalder von ITO etwa hat in letzter Zeit 700 Bewerbungen bekommen. Interessant seien seiner Meinung nach allerdings nur Manager, die "auf die andere Seite" wechseln wollen.


Für Firmen, die an Weiterbildungskursen für ihre Mitarbeiter interessiert sind, sei die Vielzahl der Anbieter und deren Spezialisierung kaum überschaubar. "Der Markt ist in einer irrationalen Art und Weise angebotsüberschwemmt", so Harramach. Daher bastle die Kammer nun an einer Datenbank, über die der geeignete Berater und Ausbildner auf Knopfdruck gesucht werden kann.


Harramach sucht die Schuld aber auch in der Branche selbst. Viele Einzelanbieter richten Schäden an, weil sie nicht gut ausgebildet sind und die Qualität nicht stimme. "Pfuscher hinterlassen vor allem bei Klein- und Mittelbetrieben Schäden. Wenn die enttäuscht sind, investieren sie drei Jahre nicht in Weiterbildung."


Zu den größten heimischen Anbietern für berufliche Weiterbildung gehören das ÖPWZ (Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeits-Zentrum), MDI (Managementinstitut der Industrie), Wifi, Conecta, OSB (Gesellschaft für systemische Organisationsberatung), GfP (Gesellschaft für Personalentwicklung).

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