Ein 21-jähriger Wiener, der seine Freundin zerstückelt hatte, stand wegen Mordes vor den Geschworenen.
WIEN. Raffael war 17, als er Bettina kennen gelernt hatte. Sie war um fünf Jahre älter. Sie bestimmte. Einmal, nur "einmal wollte ich stärker sein", erklärt der HTL-Schüler Raffael am Freitag den Geschworenen im Wiener Jugendgerichtshof das unfassbare Ende seiner Freundin. Ein Ende, das der 21-Jährige als Totschlag und nicht als Mord verstanden wissen will.
Was sagt die Staatsanwältin, wenn ein Unbescholtener seine Freundin erwürgt, zerstückelt - und dann auch noch den Fleischwolf aus Mutters Küche zum Einsatz bringt? Sie sagt zu den Geschworenen: "Sie werden mit Dingen konfrontiert, die sie nur aus Filmen kennen." Verteidiger Rudolf Mayer sagt: Raffael hätte sich nur "eine schlichte Frage" gestellt: "Wohin mit der Leiche?"
"Da war ein Niveauunterschied im Gefühl."
Verteidiger Rudolf Mayer
Da sei ein "Niveauunterschied im Gefühl" gewesen, erklärt Mayer die Probleme des ungleichen Paares. Bettina habe Raffael nur als "verliebten, jungen Buben" gesehen. Der Angeklagte erzählt: "Sie hat alle paar Wochen zu mir gesagt: Nimm deine Sachen und geh! Zwei, drei Tage später hat sie dann wieder angerufen und mir gesagt, ich kann dableiben."
In der letzten gemeinsamen Liebesnacht, 19. Dezember 2002, habe Bettina gemeint: "Nicht einmal dazu bist du gut". Dies dürften die letzten Worte im Leben einer Frau gewesen sein, die nach eigener Beteuerung "mehr Freiraum" gesucht hatte. Die Einvernahme zu den Dingen, "die man nur aus Filmen kennt", findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Urteil stand aus.