Laufen ist fad

. . . und sie laufen wieder - dem inneren Schweinehund davon. Wo, bitte, bleibt die Action?

Trend? Laufen ist längst mehr als ein Trend. Laufen ist fast schon alltäglich. Jedes Frühjahr dasselbe Getue: Alle laufen. "Alle" ist natürlich rhetorisch gemeint. Aber es sind ziemlich viele, rund 1,5 Millionen Menschen österreichweit. Allein beim Wiener Stadt-Marathon, am 25. Mai, werden (die Nebenbewerbe eingerechnet) an die 25.000 Teilnehmer erwartet: neuer Teilnehmer-Rekord, eh klar. Dabei ist Laufen doch fad. Und dass es schön macht, wie diese selbsternannten Lauf-Päpste in ihren Lauf-Büchern verbreiten, stimmt gar nicht (eigene Erfahrung!).

Warum also? Warum sieht man am Wochenende in der Prater Hauptallee mehr Läufer als Geher? Warum wird in den Mittagspausen übers Laufen geredet (und nicht etwa übers Geschäft)? Dabei bietet Laufen doch gar keine Action. Man benützt kein Sportgerät, spielt nicht nach Regeln. Man hat keinen Gegner, dem man Auge in Auge gegenübersteht. Man braucht keine Trainerstunden und auch kein neuestes Equipment. Eben. Gerade dieser Totalverzicht macht immer mehr Menschen Beine.

"Laufen ist Dampf ablassen und Ruhe ernten, Energie verbrauchen und neue Energie gewinnen", sagt Österreichs Parade-Marathonläuferin Dagmar Rabensteiner. Und: "Laufen ist die Arbeit der Muskeln fühlen, die grenzenlose Gelassenheit nach einem langen Lauf."

Das hat was: Man rennt und kompensiert die Unbill des vergangenen Tages. Und tut ganz nebenbei etwas für die Gesundheit. Wer auf dem Laufenden bleibt, stärkt das Herz-Kreislauf-System, wandelt Fett in Muskeln um. Und so manch einer holt sich beim Laufen jene Erfolgserlebnisse, die ihm beruflich verwehrt bleiben. Also gut: Laufen mag fad sein. Jedenfalls fader als der Spaßgesellschaft lieb ist. Aber es wirkt.

seeh@diepresse.com

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