Nur das Geld zählt

D
er Wiener Büromarkt liegt am Bo den. Während in den Außenbezir ken kaum Geld zu verdienen ist, steigen die Büromieten im Zentrum entgegen dem Trend. Die Folge: Investoren drängen in die Innere Stadt, um Bürohäuser (oder Türme) zu errichten. Der "Schönheitsfehler": Die City ist Schutzzone und Weltkulturerbe. Ein Problem? Nicht für jene, die sofort bauen wollen.

Nicht diese Einstellung überrascht, sondern die fadenscheinige Argumentation, die jetzt in einer Studie präsentiert wurde: Die City wird zur Problemzone erklärt, in der Arbeitsplätze und Einwohner schwinden. Der Denkmalschutz müsse an die Leine genommen werden - ohne Bürohäuser werde die City zum Potemkinschen Dorf, meinen Investoren.

Die wirklichen Gründe dieser Entwicklung werden verschwiegen. Ein Beispiel: Niederösterreich hat den Umzug seiner Verwaltung nach St. Pölten Schritt für Schritt vollzogen und noch immer nicht vollständig abgeschlossen. Daher gingen zwischen 1991 und 2001 Arbeitsplätze im Zentrum verloren, an denen neue Bürohäuser nichts geändert hätten.

Früher hätte die Bau-Lobby freie Hand gehabt, nun sinken ihre Chancen. Das Rathaus verteidigt nun wieder das Stadtbild, wie das Durchgreifen bei Ambassador oder Hilton beweist. Es hat erst aufwachen müssen - durch Wien-Mitte.

stuhlpfarrer@diepresse.com

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