Selbstkontrolle

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in junger Mann schwarzafrikani scher Herkunft wird von der Polizei festgenommen. Dabei kommt es zu gewaltsamen Übergriffen. Den Prügel-Polizisten bleibt eine Verurteilung erspart. Dieser exemplarische Fall spielte sich - nein, nicht in Wien, sondern in Los Angeles ab und ist durch ein Amateur-Video dokumentiert. Polizeiübergriffe gibt es überall dort, wo es die Polizei gibt. Österreich bildet keine Ausnahme: Unvergessen der Fall des zu Tode "eingeschnürten" Nigerianers Marcus Omofuma. Ob die aktuelle Causa rund um den im Wiener Stadtpark bei einer Amtshandlung gestorbenen Mauretanier Cheibani W. auch unter die Rubrik "Misshandlung" fällt, wird derzeit untersucht.

Nach Omofuma wurde ein Menschenrechtsbeirat gebildet. Dessen Mitglieder sind zum Beispiel bei Drogen-Razzien mit dabei. Dass Beamte sich mehr bemühen, wenn man ihnen direkt auf die Finger schaut, ist klar. Dass etliche "Empfehlungen" des Rates nicht umgesetzt werden, ist die Kehrseite der Medaille.

Zwecks "Hygiene" wurde auch das "Büro für interne Angelegenheiten" geschaffen. Dass der Staatsanwalt nach einem Polizei-Übergriff seinerseits die Polizei mit Erhebungen zu betrauen pflegt - und damit wiederum Polizei gegen Polizei ermittelt, zeugt allerdings nicht gerade von Unabhängigkeit.

Aber was helfen Kontrollen, wenn die Selbstkontrolle fehlt? Freilich ist es schwer und gefährlich, einen (bewaffneten) Tobenden korrekt zu "behandeln". Doch nur, wer sich dies zutraut, nur wer keine Ressentiments gegen Menschen anderer Hautfarbe hat, ist für den Polizeidienst geeignet. Diese Art der Selbstkontrolle sollte jeder, der in Österreich für "Sicherheit und Hilfe" sorgen will, schon bei der Jobauswahl vornehmen.

manfred.seeh@diepresse.com

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