Kein Pferdeflüsterer

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ie "Sache" stinkt zum Himmel - eine allseits akzeptierte Lösung scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Nein, nicht von den mit Wut und Leidenschaft (und vor allem dauerhaft) diskutierten Hundstrümmerln ist die Rede. Diesmal geht es um Pferdeäpfel. Die stinken mindestens genauso wie die hündischen Hinterlassenschaften - und sind meist noch wesentlich voluminöser.

Brennpunkt Stephansplatz, also dort, wo die Fiaker am liebsten stehen und auf Fahrgäste warten: Mit Hydranten, Schläuchen, Kübeln, Schaufeln und viel Wasser werden die Verdauungsprodukte der Pferde von den Kutschern bekämpft. Immerhin. Doch während der Fahrt tut sich in dieser Hinsicht praktisch nichts mehr. Was fallen gelassen wird, bleibt liegen.

Die Stadt, angetrieben von verärgerten und einflussreichen City-Bewohnern, ist auf den (in anderen Ländern auch verwendeten) "Pooh- Bag" gekommen. In dieser am Pferde-Hinterteil angebrachten "Umhängetasche" soll sich ab der Fiaker-Saison 2004 sammeln, was unterwegs ausgeschieden wird. "Tierquälerei", schimpfen die von der "Presse" befragten Fiaker. Und es riecht (schon wieder) - nach "Streik".

Doch die Stadt - nicht weniger als drei Stadträte (Verkehr, Umweltschutz, Tierschutz) sind eingebunden - setzt nicht nur in Sachen "Pooh-Bag" auf eine härtere Gangart. Gleichsam im Galopp will man nun zu mehr Sauberkeit finden: Ab sofort wird streng kontrolliert, ob die Fiaker (gemäß bestehenden Bestimmungen) den Pferdemist selber wegräumen.

Solange es keinen Pferdeflüsterer gibt, der den Tieren klarmacht, sich zu beherrschen, wird der (über)eilige Vorstoß der Stadt gepaart mit dem Unwillen der Fiaker zum Crash führen. Der Spruch: "Mir werd'n kan Richter brauch'n", wird sich diesmal nicht bewahrheiten.

manfred.seeh@diepresse.com

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