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Jahre hat es gedauert. Nun steht Michael Petzl vor Gericht. Die Öffentlichkeit wartet darauf, dass der Mord an Nicole Strau gesühnt wird. Nicht kriminalistisches Handwerk, sondern eine gerichtsmedizinische Errungenschaft hat den Prozess möglich gemacht: die viel bejubelte DNA-Analyse.
Freilich hat es nach der Bluttat engagierte Polizeiarbeit gegeben. Aber die blieb erfolglos. Jener Mann, der nun vor Gericht steht, hatte ein (wackeliges) Alibi. Dieses wurde von der Polizei nicht konsequent hinterfragt, zumal es sie noch nicht gab, die DNA-Analyse.
Der "genetische Fingerabdruck" hat die Kriminalistik revolutioniert. Für Gewalttäter ist es immer schwerer, spurlos zu entkommen. Haare, Blut oder etwa - wie im Mordfall Strau - Sperma sind DNA-Träger. Sie zeigen ein unverwechselbares Muster und können mit anderen Spuren verglichen werden.
Der nun angeklagte Mann war nicht als Mörder aufgefallen, sondern als Einbrecher. Als solcher wurde er (übrigens zwangsweise) zum DNA-Test geführt. Sein "Muster" deckte sich mit jenem des auf der Leiche gefundenen Sperma.
Hat die gute, alte Polizeiarbeit ausgedient? Mitnichten. Außer Gewaltverbrechen gibt es genug "sterile" Taten (Wirtschaftskriminalität), die ohne DNA geklärt werden müssen. Und im Gerichtssaal muss der Staatsanwalt die Anklage-Vorwürfe auch beweisen können.
Gewiss: Ein DNA-Treffer ist eine mächtige Waffe in den Händen des Anklägers, aber eben nicht alles. Die Desoxyribonukleinsäure, die Trägerin menschlicher Erbinformation, erzählt den Geschwornen nicht, wie sich ein Mord abgespielt hat. Sich also ganz auf "Kommissar DNA" zu verlassen, kann gehörig schief gehen. Und darunter würde im laufenden Prozess niemand so sehr leiden wie die Hinterbliebenen der kleinen Nicole Strau.
manfred.seeh@diepresse.com