M
it schöner Regelmäßigkeit schlägt der Bürgermeister der wahrlich geplagten Gemeinde Traiskirchen Alarm. Es ist sicher nicht fair, dass die einige tausend Einwohner zählende Gemeinde derzeit mehr Flüchtlinge zu beherbergen hat als die Großstadt Wien. Eine bessere Aufteilung wäre zweifellos dringend geboten - nicht nur im Interesse der Bürger, sondern auch der Asylanten. Denn in einem Ghetto zu leben und mit Misstrauen, Angst oder Wut beäugt zu werden, ist sicher nicht angenehm. Außerdem fördert die Konzentration in einem Großlager die Kriminalität.
Die Bürgermeister vor allem größerer Gemeinden werden sich bei ihrer Weigerung Flüchtlinge aufzunehmen und das Lager Traiskirchen zu entlasten auf Dauer schwer tun. Der Druck ist groß.
Recht doppelzüngig ist allerdings auch das Spiel des Traiskirchner Bürgermeisters in der Frage der Renovierung. Einerseits beklagt er die katastrophalen baulichen und sanitären Zustände und macht dem Innenminister Vorwürfe, unmenschlich zu sein und die Flüchtlinge menschenunwürdig hausen zu lassen.
Andererseits verweigert er als Baubehörde erster Instanz beharrlich die Zustimmung, dass etwas dagegen unternommen wird. Nun muss die Bundesimmobiliengesellschaft quasi klammheimlich sanieren und bis zum Verfassungsgerichtshof gehen, um eine Baubewilligung zu erhalten.
Es ist verständlich, dass Traiskirchen bei jeder Maßnahme misstrauisch ist, die auf eine Zementierung der derzeitigen Situation deuten könnte. Doch die Situation von Menschen, die ohnehin schwierig und leidvoll genug ist, für kleinliches politisches Ping-Pong zu benutzen, ist inakzeptabel.