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er aktuelle Drogenbericht weist österreichweit eine Steigung der Anzeigen wegen Suchtgift-Delikten um 2,56 Prozent aus. Gewiss: Mehr Anzeigen heißt nicht zwingend, dass alles schlechter geworden ist. Vielleicht ist die Polizei einfach fleißiger geworden. Beides stimmt - und mutet widersprüchlich an. Die Situation hat sich verschlechtert. Und die Polizei hat ihren Kampf gegen die "Drogen-Mafia" intensiviert.
Warum immer mehr Dealer kommen, wenn doch die Polizei immer lästiger wird? Darüber zerbrechen sich nicht nur Kriminalisten den Kopf. Innenminister Ernst Strasser erklärte jedenfalls Anfang der Woche, dass heuer in Wien bereits um 261 mutmaßliche Dealer mehr als im ganzen Jahr 2002 festgenommen worden seien.
Was tun? Da die Drogen-Barone gemeinhin nicht in Österreich zu sitzen pflegen, sondern eher in Afghanistan, Südamerika oder der Türkei, bleibt den hiesigen Fahndern in erster Linie die Jagd nach den Kurieren und den Verteilern auf der Gasse (Streetrunner). Wiens Kriminalamts-Chef Roland Horngacher hat die Devise ausgegeben, den "Vertrieb" zu stören. Immer wieder. Eine Razzia nach der anderen. Auch wenn die Bosse nicht ins Netz gehen. Auch wenn die großen Drogendepots im Ausland, wie zum Beispiel in Amsterdam, liegen.
Horngacher hat Recht. Auch Drogenhändler sind Händler. Auch sie (müssen) kalkulieren. Zahlt es sich aus, einen Vertrieb aufrecht zu erhalten, der ständig torpediert wird? Zahlt es sich aus, Drogengelder zu kassieren, die eventuell beschlagnahmt werden?
Derzeit lautet die Antwort: Ja. Aber wie lange noch? Die Polizei vollzieht die Taktik der tausend Nadelstiche. Und sie muss wissen, was sie tut. Schließlich hat auch sie eine Rechnung offen.
manfred.seeh@diepresse.com