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etzt ist es also amtlich: Es gibt ihn, den neuen Vater, die neue Väter lichkeit. Soll heißen: Väter wollen dabei sein, wenn ihr Kind aufwächst. Und zwar ab der ersten Sekunde. Bei der Geburt dabei sein, gehört immer häufiger dazu. Eben weil der Vater - genauso wie die Mutter - zum Kind gehört. Gehören will.
"Es ist eine große Chance für ein Kind, einen stützenden Vater zu haben", sagt der Jugendpsychologe Herbert Janig, der gemeinsam mit der Psychotherapeutin Rotraut Erhard - und im Auftrag des Sozialministeriums der Frage nachgegangen ist: "Wie viel Vater braucht ein Kind?" Kurze Antwort: Viel (Seite 15).
Doch rosig ist das alles nicht. Familienidyll, wo bist du geblieben? Die Scheidungsrate ist zwar leicht gesunken, liegt aber österreichweit immer noch bei gut 44 Prozent - in Wien gar bei fast 55 Prozent. Die Geburtenrate ist rückläufig (was, wie man hört, durch exzessives "Von-Party-zu-Party-Rauschen" erklärbar sein könnte). Jede dritte Geburt ist unehelich (am schlimmsten ist's in Kärnten, hier ist der Anteil der unehelich Geborenen mit 40 Prozent am höchsten). Die Mehrheit der Erstgeborenen wird unehelich gezeugt, viele Heiraten erfolgen erst während der Schwangerschaft. In Österreich gibt es mehr als 150.000 Alleinerzieher, wobei der männliche Anteil dieser Spezies eine Minderheit von mickrigen zehn Prozent ausmacht.
Gerade bei dieser demografischen Entwicklung tut es Not, die Vater-Kind-Beziehung auszubauen. Väter, macht euch die neue Väterlichkeit zu Nutze! Sie ist nicht nur eine Chance fürs Kind, sie ist auch eine Chance für den Vater. Wie heißt es doch in der Studie: "Väter sind wie Mütter befähigt, kompetent und einfühlsam mit Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern zu kommunizieren." Das ist mehr als eine Feststellung. Das ist eine Aufforderung. Väter vor!
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