Alles beim Alten

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ie Einführung der 0,5-Promille- Grenze Anfang 1998 zeigte Wir kung: Es wurde weniger getrunken; mehr Taxi gefahren; es wurden mehr Fahrgemeinschaften für die Fahrt zum Heurigen gebildet. Im ersten Halbjahr 1998 ging die Zahl der Verkehrstoten (auch dank strenger Kontrollen) um 23 Prozent zurück.

Heute ist offenbar alles beim Alten. Es wird immer öfter ordentlich getrunken, um sich dann fröhlich hinter das Steuer zu klemmen. Das Innenministerium registrierte in seiner Verkehrsunfallbilanz für das abgelaufene Jahr die zweithöchste Zahl an Alkoholunfällen seit zehn Jahren.

Gemessen an den 43.175 Unfällen, die sich 2002 auf Österreichs Straßen ereignet haben, wirken die Zahl der 2736 Unfälle durch Alkolenker nicht extrem. Immerhin wirken sich Raserei, Drängelei auf der Autobahn oder einfach rücksichtsloses Verhalten deutlich stärker auf die Unfallstatistik aus.

Erschreckend ist aber der Trend: Unfälle, die von Alkolenkern ausgelöst werden, steigen wieder deutlich - während die gesamte Unfallbilanz keinen signifikanten Anstieg zeigt, und die Zahl der Verkehrstoten 2001 sogar um 0,2 Prozent sank. Hier herrscht Handlungsbedarf.

Der Ruf nach drakonischen Strafen ist verlockend, aber zu einfach. Extrem hohe Geldstrafen lösen bei Autofahrern keinen Lernprozess, sondern nur einen Reflex aus: "Die wollen nur abkassieren."

Der Hebel muss mit Sicherheit früher und subtiler angesetzt werden: Durch intensivere Bewusstseinsbildung in Schulen und bei der Fahrausbildung. Jedem Alkolenker soll klar gemacht werden, welchen Wahnsinn er begeht. Und da Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist, müssen öffentliche Kampagnen (wie "drink and drive = death") von scharfen Planquadraten begleitet werden. Das erzielt erst den vollen Lerneffekt und zieht Unbelehrbare aus dem Verkehr.

martin.stuhlpfarrer@diepresse.com

Die Waffe gegen Alkolenker: nicht drakonische Gesetze, sondern strengere

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