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as "Europäische Jahr der Men schen mit Behinderungen" ist in ein paar Tagen zu Ende. Und? Was hat's gebracht? Hat's überhaupt etwas gebracht? Gemeinplätze wie "Die Öffentlichkeit wurde sensibilisiert" sind da als Antworten definitiv fehl am Platz.
Dennoch lautet die Antwort auf obige Fragen: Ja, das "EU-Jahr" hat etwas gebracht. Es war ein Schritt nach vorne, weil mehr Menschen als sonst hin- statt weggeschaut haben, weil man Behinderten zugehört, weil man - immerhin - Bekenntnisse abgegeben hat.
Natürlich reicht das nicht. "Viel Begegnung, aber wenig Bewegung", formuliert Wiens Caritas-Chef Michael Landau. Der große Wurf, nämlich das dringend (auch von allen Parteien) geforderte Gleichstellungsgesetz, blieb aus. Das lang ersehnte Regelwerk, welches den Behinderten bundesweit Chancengleichheit in allen Lebensbereichen - vom Wohnen zum Personenverkehr, vom Schulwesen zur Kommunikation - garantiert, ist noch nicht fertig. Schade. Und trotzdem: Seit dem "EU-Jahr der Behinderten" lautet die Frage nicht mehr, ob, sondern wann das Gesetz endlich kommt. Optimisten, wie Sozialminister Herbert Haupt, rechnen damit, dass das Gesetz im ersten Quartal 2004 in Begutachtung geht.
Bei aller Enttäuschung darüber, dass die Politik zu zögerlich war, gilt doch: Gut Ding braucht Weile. Zumal es mit oberflächlichen Richtlinien nicht getan ist. Was die - ausgebliebene - Erhöhung des Pflegegeldes anlangt, war das Jahr ein Misserfolg. Positiv wiederum war die erhöhte mediale Präsenz des Themas sowie das Bemühen der Wirtschaft, Arbeitsplätze für Behinderte zu schaffen. Nach diesem Zickzackkurs zwischen Soll und Haben ist die Frage, ob das Jahr ein Erfolg war, leider nur mit einem klaren Jein zu beantworten.