Die Nachwehen

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as wahrscheinlich letzte Kapitel einer traurigen Geschichte wurde am Dienstag aufgeschlagen: Nach dem beispiellosen Viennabike-Flop begann im Wiener Dorotheum die Versteigerung der Gratisräder - während gleichzeitig der Viennabike-Betreiber offiziell in Konkurs ging.

Was bleibt von dem ersten rot-grünen Projekt? Einerseits die Erkenntnis, dass der Fahrrad-Sozialismus in Wien gescheitert ist. Frei nach dem Motto "Was nix kostet, ist nix wert" wurden die Gratisräder gestohlen, zerstört oder einfach in der Donau versenkt. Andererseits, dass bei einem Flop niemand schuld ist. Stadtrat Rudolf Schicker (SP) schob die Verantwortung auf den Verein, der oft unprofessionell agiert hatte. Der Verein schob die Schuld zurück an Schicker, der gemeinsam mit dem grünen Klubchef Christoph Chorherr das Projekt ins Leben gerufen hatte.

Jetzt könnte man den Mantel des Schweigens darüber breiten - wäre da nicht eine Kleinigkeit, welche die Stadt noch beschäftigen wird: Wer bezahlt den Abriss der nutzlos gewordenen Viennabike-Ständer, die Parkplätze und andere öffentliche Flächen blockieren? Der Verein, der per Bescheid dazu verpflichtet wurde, wird das nicht mehr erledigen (können). Damit bleibt es am Steuerzahler hängen. Es ist ein bezeichnender Zufall, dass Finanzstadtrat Sepp Rieder gerade am Dienstag strengere Regeln für die Benützung von öffentlichem Raum durch Firmen oder Private ankündigte.

Der Neustart der Wiener Stadträder am 1. Mai wird auf Grund der kurzen Vorbereitungszeit von der Gewista nur als Minimalvariante durchgeführt. Dank Registrierung per Bankomatkarte sollte der neue Versuch besser laufen. In der Zwischenzeit werden viele Wiener ihr Viennabike aus dem Keller holen, und erzählen: "Hab' ich vor kurzem ersteigert." Von denen, die es auf "anderem" Weg erworben haben, werden sie sich nicht unterscheiden.

martin.stuhlfparrer@diepresse.com

Die Viennabikes sind endgültig Geschichte.

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