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ie Probleme rund um die "Dresd ner Spange", dem wirtschaftli chen Hoffnungsgebiet im 20. Wiener Bezirk, sind bezeichnend für die Stadtplanung der vergangenen Jahre.
Im Wiener Rathaus fixierte man sich auf Prestigeprojekte. Die Wiener Gasometer oder die geplanten Wohnsiedlungen am Wienerberg wurden mit enormen Investitionen an Geld und Lobbying forciert. Dass es daneben noch Gebiete mit großem Potenzial gibt, die für ihre Entwicklung ebenfalls die Aufmerksamkeit der Stadt Wien benötigen, ging bei dem ständigen Jubel über Prestigeprojekte unter. So ist es erklärbar, dass seit 1994 beispielsweise entlang der "Dresdner Spange" und somit entlang der Achse vom Wiener Praterstern über die Dresdner Straße bis zum Millennium Tower 210.000 Quadratmeter Bürofläche und 10.000 Arbeitsplätze entstanden - es aber kaum soziale Infrastruktur gibt. Wer heute diese Achse nach Büroschluss besucht, fühlt sich in eine Geisterstadt versetzt. Und das in einem Gebiet, welches über sehr gute öffentliche Verkehrsanbindungen verfügt und (im Gegensatz zu vielen Prestigeprojekten) relativ nahe am Zentrum liegt.
Dass ein Gebiet gleichzeitig wirtschaftlich und sozial entwickelt werden muss, sollte der Stadt Wien seit dem "Projekt Leberberg" Mitte der 90er Jahre bewusst sein. In die Sozialbauten der teuren Satellitenstadt an der Peripherie wollte anfangs niemand einziehen, weil das Wichtigste fehlte: Geschäfte, Lokale soziale Infrastruktur.
In diesem Zusammenhang darf man aber auch die Investoren nicht aus der Verantwortung entlassen. Wer riesige Bürokomplexe baut und eine belebte Umgebung fordert, muss auch etwas dafür tun. Beispielsweise Erdgeschoßflächen für Geschäfte und Veranstaltungslokale anbieten.
Bei der Diskussion wird aber übersehen: Die Lösung liegt in der Nachbarschaft am alten Frachtenbahnhof Wien-Nord. Dort warten 250.000 Quadratmeter auf eine sinnvolle Nutzung. Wohnungen, Schulen, Veranstaltungszentren und Geschäfte könnten dort der gesamten Gegend den dringend benötigten Impuls geben. Doch während man Prestigeprojekte feiert, werden die ersten Entwürfe für den ehemaligen Frachtenbahnhof frühestens 2005 vorliegen.
martin.stuhlpfarrer@diepresse.com