Der Rückzieher

W
ien will Strafen für Freier. Das hieß es noch vor ein paar Mona ten. Frauenstadträtin Renate Brauner (SP) kündigte an, dass Männer bestraft werden sollen, die zu illegalen Prostituierten gehen. Nun hat Brauner einen Rückzieher gemacht: "Wir werden das nicht stur durchziehen, nur weil wir es vorgeschlagen haben."

Natürlich darf man gescheiter werden. Es ist keine Schande, einen Schwenk zu vollziehen. Nur: Die Erkenntnisse von heute hatte man auch schon vor ein paar Monaten. Als Brauners Vorschlag kam (es war vorigen September), wusste man, dass Schweden, welches als erstes und einziges Land Europas Freier isoliert unter Strafe gestellt hat, damit erfolglos blieb: Seit 1999 gab es dort nur 33 Verfahren, die mit geringen Geldstrafen endeten. Dafür aber musste man feststellen, dass die um ihr "Geschäft" besorgten Prostituierten in Hinterzimmer abwanderten. Dadurch waren die Männer dem Arm des Gesetzes entzogen. Und schlimmer: Polizei, Gesundheitsbehörde, Sozialarbeiter kamen kaum mehr an die Frauen heran.

Mit den Novellen zum Wiener Landessicherheitsgesetz und zum Wiener Prostitutionsgesetz verzichtet Brauner auf eine (frauen-)politische Botschaft: "Das habe ich mir abgewöhnt." Pragmatismus solle im Zentrum stehen. Männer sollen nur noch dann bestraft werden, wenn sie auf der Suche nach Prostituierten Anrainerinnen "unerwünscht belästigen". Prostitution werde es immer geben, sagt Brauner, "nur die Rahmenbedingungen sollten halbwegs geregelt werden". Das stimmt leider. Die Einsicht kommt spät. Aber besser spät als nie.

manfred.seeh@diepresse.com

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