Grenzwertig

D
a soll noch einer sagen, in Brüssel sitzen Bürokraten, die aus Lange weile nur die Krümmung von Bananen vermessen. Die Senkung der Ozon-Grenzwerte ist ein Beweis, dass man sich in Brüssel ernsthaft mit Umweltthemen auseinander setzt. Grenzwerte, die sinnlos waren, da sie fast nie erreicht wurden, werden mit der neuen Verordnung auf ein realistisches Maß gesenkt.

Positiv ist auch, dass ein Hintertürl geschlossen wurde - erhöhte Werte zweier Messstationen über drei Stunden -, durch das ein Ozon-Alarm bisher praktisch verhindert wurde. Bezeichnend für die Sinnlosigkeit der alten Regelung: Die Vorwarnstufe wurde in Wien im Durchschnitt nur drei Mal jährlich, die Warnstufe überhaupt nie ausgelöst.

Mit den verschärften Grenzwerten werden die Menschen rund um die großen Städte - vor allem in der Ostregion - häufiger mit dem Thema Ozon konfrontiert werden.

Die niedrigeren Grenzwerte bilden die Grundlage für eine Sensibilisierung - damit auch die Österreicher erkennen, dass das giftige Bodenozon nicht vom Himmel fällt, sondern ein hausgemachtes Problem ist. Der Weg kann nur über eine Bewusstseinsbildung führen. Denn die Zwangsmaßnahmen wie Tempo 100 auf Autobahnen bei Ozon-Alarm, mit denen Wiens Umweltstadträtin Kossina liebäugelt, sind in der Praxis nicht zu kontrollieren - und damit sinnlos.

Die von der EU verordnete Bewusstseinsbildung hat allerdings eine Schattenseite: Die steigende Zahl von Ozonwarnungen wird die Menschen verunsichern. Es könnte der Eindruck entstehen, dass die österreichische Luft schlechter oder giftiger geworden ist. Ob als Gegenmaßnahme eine einfache Broschüre reicht, darf bezweifelt werden.

martin.stuhlpfarrer@diepresse.com

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.