Strömungen, Trenn- und Kontaktlinien

Gute Zeiten für wissbegierige Leseratten - auch und gerade für die, die noch Ostergeschenke suchen.

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undierte Bücher zum Thema Mittel- und Osteuropa, zu mindest solche, mit denen auch der Laie etwas anfangen kann, sind dünn gesät. Doch derzeit sind drei Bücher im Handel, die wissbegierigen Lesern rundum empfohlen werden können.

Der absolute Lichtblick ist dabei "Der leere Himmel" von Richard Wagner (Aufbau Verlag, Berlin). Wagner erzählt darin die Geschichte des Balkanraumes von seiner subjektiven Warte eines im rumänischen Teil des Banat Geborenen aus. Kenntnisreich, doch zugleich äußerst subtil, seziert er die Trenn- und Kontaktlinien, die ethnischen und religiösen Konflikte sowie die Strömungen am Balkan, um daraus ein stimmiges, wenig beschönigendes Bild des Raumes zu komponieren.

Lesenswert ist auch "Osterweiterung" des österreichischen Journalisten Hannes Hofbauer (Pro Media, Wien). Er schildert darin die Transformation jener Staaten, die bald der EU angehören werden. Und zwar immer unter dem - diskussionswürdigen - Aspekt eines "Drangs nach Osten", einer imperialen Tendenz des Westens. Man muss ihm nicht immer folgen, etwa wenn er die Einführung der Agrar-Direktzahlungen als "offen zur Schau getragenen Zynismus" interpretiert. Aber das ändert wenig daran, dass das Buch einen ausgezeichneten Überblick über die letzten zehn Jahre in unserer Nachbarschaft gibt.

Den Zeitpunkt exakt getroffen - und zwar in einem traurigen Zusammenhang - hat der ehemalige "Presse"-Korrespondent Norbert Mappes-Niediek mit seiner "Balkan-Mafia" (Ch. Links, Berlin). Er schildert die Entstehung der mafiosen Strukturen am Balkan - bis hin zu deren Verbindungen mit der Politik, die ja den serbischen Premier Zoran Djindjic das Leben gekostet haben.

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