Ein innerbulgarischer Konflikt um die Dividende 2002 gefährdet die Kaufabsichten des Wiener Konsortiums Viva Venture.
SOFIA (ag.). Ein kurioser Streit zwischen den bulgarischen Parteien könnte nun - nach dem Scheitern der Bulgartabak-Privatisierung - den nächsten Verkauf gefährden: die praktisch ausverhandelte Übernahme von 65 Prozent der Bulgarischen Telekom BTC durch die in Wien domizilierte US-Firma Viva Ventures, hinter der Investoren rund um die Investmentbank J.P. Morgan stehen.
Bei der Ausschreibung war man davon ausgegangen, dass die Dividende für das Jahr 2002 im Unternehmen verbleiben soll - worauf die Viva-Ventures-Chefin Joanna James auch beharrt. Andererseits will aber der Staat Bulgarien nun zumindest einen Teil des Gewinns - der im Vorjahr um 13,1 Prozent auf 199 Mill. Leva (102 Mill. Euro) - für sich reklamieren. Unter den bulgarischen Parteien ist nun ein heftiger Konflikt um diese Frage entbrannt - der die gesamte BTC-Privatrisierung wieder ins Gespräch bringt. In der bulgarischen Öffentlichkeit wurde in den vergangenen Tagen erneut moniert, dass die nötige Restrukturierung Arbeitsplätze kosten werde - was die Gewerkschaften alarmiert.
Beobachter erwarten, dass der BTC-Verkauf wie schon bei der Bulgartabak vor Gericht angefochten wird - obwohl auch die bulgarische Telekom zu jenen strategischen Unternehmen gehört, die die bulgarische Regierung per Gesetz der richterlichen Kontrolle entzogen hat. Gegen dieses Gesetz läuft weiterhin eine Prüfung durch den Verfassungsgerichtshof.
Gewehr bei Fuß steht auch die ein türkisches Konsortium, das von der Partei der türkischen Minderheit unterstützt wird, im ursprünglichen Auswahlprozess aber wegen eines zu geringen Anbots ausgeschieden war.