Der geplante Wiederaufbau der früher sehr effektiven Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft steht unter keinem guten Stern.
SOFIA/WIEN. Der Wiederaufbau der einst so erfolgreichen bulgarischen Bewässerungs-Landwirtschaft kommt nun offenbar in ernsthafte Schwierigkeiten. Agrarminister Mehmed Dikme hat kürzlich angekündigt, die Subventionen von Wasser für die Landwirtschaft im Jahr 2004 einzustellen. Seine Begründung: Der Beihilfen-Stopp sei in einem Abkommen mit der Weltbank gefordert.
Damit wird ein wichtiges Projekt für den Wiederaufbau der bulgarischen Landwirtschaft weiter erschwert: Waren vor der Transformation noch 1,2 Millionen Hektar der bulgarischen Landschaft von florierenden Bewässerungszonen für Gemüse oder Reis bedeckt, werden derzeit nur fünf Prozent (!) der bestehenden Dämme und Kanäle genutzt. Der Wasserverbrauch ist gar auf 3,2 Prozent des Niveaus der 80er Jahre gesunken. Dadurch ist die Produktion von Obst und Gemüse für den europäischen Markt - früher eine wesentliche Einnahmequelle des Balkanstaats - stark behindert.
Der Grund für die Misere liegt vor allem im Ablauf der Transformation: Die Restitution der Ackerflächen wurde 1991 gestartet und war im Jahr 2000 im Wesentlichen abgeschlossen. Aber erst danach ging die Regierung daran, auch die zugehörigen Bewässerungssysteme - die erst ab den 60er Jahren entstanden sind, also nie private Eigentümer hatten - zu reformieren. Die Folge dieser gestaffelten Vorgangsweise: Die sehr klein-strukturierte Bauernschaft konnten sich das Wasser trotz aller Subventionen, die die staatliche Betreibergesellschaft lukrierte, nicht leisten, die Landwirte bohrten mehr oder weniger legal andere Wasserquellen an. Viele verzichteten auch gleich auf die - lukrativen - Bewässerungs-Kulturen und stellten auf Weizen oder Gerste um.
Trotzdem will Minister Dikme den Wiederaufbau der Bewässerungssysteme fortführen, versprechen diese ja eine wesentlich höhere Wertschöpfung. Er hat die Bauern erneut dazu aufgefordert, Wasser-Genossenschaften zu bilden - denn sonst gebe es für die Regierung keine Möglichkeit, das Eigentum an den Kanälen an die Landwirtschaft zu übertragen.
Kleiner Trost für die Bauern: Um die Auswirkungen des Auslaufens der Gießkannen-Beihilfen für das Wasser etwas abzufedern, können sie um Direktzahlungen für die Bewässerung ansuchen. Das Budget dafür ist aber bescheiden, es liegt bei 200.000 Leva (102.000 Euro).