Die Beziehungen zwischen Slowenien und Kroatien bleiben trotz der Einigung schwierig.
Der langjährige Streit um die Krsko-Anteile wurde nun beigelegtWien / Laibach. Nach langem Tauziehen haben Slowenien und Kroatien nun eine bilaterale Einigung über die Neugestaltung ihrer Eigentumsanteile am gemeinsamen Atomkraftwerk Krsko erreicht. Ab 19. April bezieht Kroatien wieder die Hälfte des Atomstroms aus Krsko. Die genaue Berechnung der Energieschulden, die Slowenien an Kroatien für entgangene Stromlieferungen leisten muss, ist aber noch offen.
Vor fünf Jahren wurde jeglicher Stromexport aus dem AKW Krsko nach Kroatien gestoppt. Seit dem 1. Juli 2002 sollte Kroatien eigentlich schon wieder Atomstrom beziehen. Doch die Verhandlungen schleppten sich infolge rechtlicher Probleme dahin. Aus kroatischer Sicht habe Slowenien rund 56 Mill. US-Dollar für den nicht erfolgte Energieexport zu leisten. Von einer weiteren Mrd. US-Dollar an Kompensation für Kroatien ist in Zagreb die Rede. Elektro Slovenija (Eles) sowie die Kroatische Elektrowirtschaft (HEP) wollen nun in den kommenden Wochen ein Sonderabkommen über die technischen Details der Übernahme unterzeichnen.
"Beide Staaten sollen bis Mai auch die Entschädigungszahlung Sloweniens an Kroatien wegen der Säumigkeit bei der Ratifizierung des zwischenstaatlichen Abkommens auf slowenischer Seite regeln", sagt Eles-Direktor Vjekoslav Korosec. Zugleich brachten Sensationsberichte kroatischer Zeitungen einige Unruhe in das Abkommen. Demnach sei das AKW Krsko nicht korrekt gewartet. Andrej Stritar, der slowenische Direktor der Verwaltung für nukleare Sicherheit sagt: "Wahrscheinlich verbergen sich hinter diesen Schlagzeilen politische Spielchen in Kroatien." In- und ausländische Experten würden alle Sicherheitsaspekte des AKW überprüfen. Was die Energieversorgung betrifft, erwarte sich Slowenien keine ernsthaften Schwierigkeiten, auch wenn es ungefähr 360 Megawatt Strom aus Krsko verliert. Die größte Rolle werden nun die kalorischen Kraftwerke in Sostanj und Brestanica spielen. Der Strommangel wird teilweise durch Import abgedeckt werden.
Vor dem Jahr 1997, als die Hälfte des AKW-Stroms aus Krsko Kroatien gehörte, hatte Eles ein wesentliches Energiedefizit zu bewältigen , was auch einer der Gründe für den Bau neuer Gasblocks in Brestanica war. Slowenien habe genügende Kapazitäten in seinen Kraftwerken, heißt es im Wirtschaftsministerium. Möglicherweise kaufen die Slowenen die Menge Strom, die nun nach Kroatien geliefert wird, zu einem beträchtlich höheren Preis auf dem europäischen Markt zurück.
Die Kroaten kauften bereits 1998 ihre Hälfte an Strom aus dem AKW Krsko billiger über den Markt. Zagreb hatte die Fernleitung bis nach Ungarn fertig gestellt, um Billigstrom aus Osteuropa zu beziehen und wird nunmehr die günstigste Kombination zwischen Einfuhrverträgen und inländischen Quellen suchen.
Ein ungelöstes Problem bildet zudem noch die Endlagerung radioaktiver Abfälle. Die kroatischen Verhandler hätten - so kroatische Atomphysiker - keineswegs dem Abkommen zustimmen dürfen, mit welchem sie die Verantwortung für die Hälfte der radioaktiven Abfälle aus Krsko übernommen haben. Faktum ist, dass die kroatische Gesetzgebung nicht die Einfuhr radioaktiver Abfälle gestattet, die im Ausland entstanden sind. Deshalb werde das Abkommen vom Verfassungsgerichtshof behandelt werden müssen. Darüber hinaus werde Kroatien schwer eine Deponie für seinen Atommüllanteil finden.