Die Westbalkan-Staaten erwarten sich vom EU-Gipfel kommenden Samstag viel. Ein Gespräch mit der mazedonischen EU-Ministerin Radmila Sekerinska.
SKOPJE. Nachdem das politische Feilschen um die Weiterentwicklung der EU beim Gipfel in Thessaloniki zu Ende ist, werden am Samstag die europäischen Staats- und Regierungschefs mit den Spitzen der fünf Westbalkan-Staaten (Albanien, Serbien-Montenegro, Mazedonien, Bosnien, Kroatien) zusammentreffen. "Wir erwarten uns davon einen klaren politischen Horizont - und die Umsetzung der Entscheidungen", sagt die mazedonische EU-Integrationsministerin, Radmila Sekerinska.
Die Weichen für ein gedeihliches Vorankommen scheinen gestellt: In einem EU-Papier wird eine Weiterentwicklung der Hilfsprogramme durch neue Partnerschaftsabkommen vorgeschlagen. Dabei soll der Fokus vom Wiederaufbau hin zur Umgestaltung des politischen und wirtschaftlichen Systems gelegt werden. Konkret angesprochen sind etwa Programme zur Verbesserung des regionalen Handels oder zur Entwicklung von Klein- und Mittelbetrieben.
Das ist Sekerinska aber nicht genug. "Die Unterstützung von Reformen und bei der Liberalisierung reicht in vielen Bereichen nicht aus", meint sie - und sie fordert, dass die EU die Strukturfonds für die Westbalkan-Staaten öffnet. Sie argumentiert so: "Die EU hat schon zu viel Geld am Balkan für Krisen ausgegeben." Um die regionale Kooperation zu stärken, hält sie etwa eine gute Infrastruktur für unerlässlich. "Ein Programm für den Straßenbau hat mehr positive Auswirkungen als jede Regierungs-Konferenz."
Die derzeitige Erweiterungsrunde der EU zeigt für Sekerinsma Eines ganz deutlich: "Die Investitionen in die Beitrittsländer zahlen sich für die EU aus." Allerdings nur, schränkt sie mit Blick auf die Situation am Balkan ein, wenn politische Stabilität herrsche.
Mazedonien will, so betont die 30-jährige Ministerin, gleich nach dem Abzug der europäischen Schutztruppe EU-FOR - mit österreichischer Beteiligung - im Herbst einen Beitrittsantrag zur EU stellen. "Solange noch eine Militärmission im Lande ist, ist das kein gutes Zeichen", sagt Sekerinska.