"Keine Verlagerung von Tirol nach Slowenien"

Der neue Eigner von Lek, die Schweizer Novartis, prüft derzeit, in welcher Form die slowenische Pharmafirma in den Konzern integriert wird.

WIEN/ZÜRICH. Von der ersten Runde der Neuordnung des Generika-Bereichs des Schweizer Pharma-Multis Novartis blieb die slowenische Lek vorerst ausgenommen. Lek darf vorerst weiter Lek heißen - und wird nicht, wie etwa die Schwester Biochemie Kundl in "Sandoz" umbenannt.

Für die nächste Welle der Neuordnung ist aber nichts ausgeschlossen, erklärt das zuständige Vorstandsmitglied von Novartis, Paul Choffat, im Gespräch mit der "Presse": "Wir prüfen derzeit, wie die Integration von Lek vorgenommen wird", sagt er. Mit einem Ergebnis sei Ende der ersten Jahreshälfte zu rechnen.

Ziel sei es jedenfalls, ein integriertes Produktionskonzept zu erstellen, so Choffat. Für den Schweizer Konzern ist Lek das Tor zu den osteuropäischen Staaten - diese Region ist bisher ein ziemlich weißer Fleck auf der Novartis-Landkarte. Für den Standort Kundl (Tirol) gibt er Entwarnung: Es gebe derzeit keine Absicht, Teile der Produktion nach Slowenien auszulagern.

Wie berichtet, hat Novartis im November 2002 um umgerechnet 878 Mill. Euro Lek zu 99,1 Prozent übernommen. Gesteuert wird das Unternehmen - mit 3600 Mitarbeitern und einem Umsatz von 373 Mill. Euro hinter Krka die Nummer zwei in Slowenien - von Wien aus, wo sich das World-Headquarter von Novartis Generics befindet.

In dieser Leitfunktion Österreichs liegt auch der Grund, daß eine Wiener Rechtsanwaltskanzlei bei der Abwicklung des Deals zum Zug gekommen ist. "So seltsam es auch klingen mag, in der Schweiz gibt es fast keine Kanzlei mit internationaler Tätigkeit", berichten die beiden Anwälte von Wolf Theiss & Partner, Horst Ebhardt und Dieter Spranz.

So schwierig das Übernahme-Prozedere auch war - wie berichtet, war den staatlichen Fonds als Ex-Eigentümer der gebotene Preis zu gering, auch gab es ein Gerangel um die Sperrminorität. Dem Staat Slowenien und seinen Institutionen streuen die beiden Anwälte jedenfalls Rosen: "Slowenien befindet sich weitgehend auf internationalem Niveau", sagen sie. Obwohl damals Wahlkampf war und Lek eines der unternehmerischen Aushängeschilder des Landes ist, habe es praktisch keine politischen Interventionen gegeben. Und wenn, dann auf einem Niveau wie in Österreich.

Freilich: Mit Patriotismus sei man auch in Slowenien konfrontiert gewesen. Aber es sei eher Stolz gewesen, daß sich ein internationaler Konzern für das Unternehmen interessiere. "In Slowenien hat sich im Vorfeld des EU-Beitritts bereits ein Bewußtsein ausgebildet, daß man sich dem nicht verschließen dürfe", resümieren die Anwälte.

Völlig abgeschlossen ist die Arbeit von Ebhardt und Spranz trotz des bereits ausbezahlten Kaufpreises - zu 80 Prozent in Tolar, zu 20 Prozent in Euro - noch nicht: Noch laufen die Kartellanmeldungen in allen Ländern, wo beide Unternehmen tätig sind. Wolf Theiss & Partner koordinieren dieses langwierige Verfahren in zwölf Ländern.

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