"Der Euro ist in Warschau früher als in London"

Im "Presse"-Gespräch gibt sich Polens Vizepremier und Finanzminister Kolodko als radikaler EU-Optimist.

WIEN. "Wenn sie in vier Jahren nach London kommen, müssen sie vielleicht noch Pfund wechseln, in der Warschauer Oper werden sie aber mit Euro bezahlen", sagt Polens Vizepremier und Finanzminister, Grzegorz Kolodko, vor Optimismus sprühend, im Gespräch mit der "Presse". Der renommierte Ökonom, der neben seinen Regierungsgeschäften das Forschungsinstitut "Tiger" leitet, nennt sogar ein exaktes Datum für die Euro-Einführung: den 1. Mai 2007. Also exakt drei Jahre nach dem Beitritt zur Gemeinschaft.

"Anders als manche meiner Regierungskollegen bin ich wegen der Zustimmung der Bevölkerung zur EU nicht besorgt", meint er. Er rechnet mit einer Beteiligung von 57 Prozent - also über der erforderlichen 50-Prozent-Marke - und 71 Prozent "Ja"-Stimmen. Die jüngste Annäherung Polens an die USA - Stichwort: Irak-Krieg und Kauf von F-16-Kampfflugzeugen - habe den Beitrittsbemühungen nicht geschadet, ist sich Kolodko sicher. "Die Stimmung gegenüber der EU ist in den letzten Wochen positiver geworden, und bei der Abstimmung in knapp zwei Wochen wird sie noch besser sein."

Die jüngste Kritik der EU an Polen nimmt er gelassen - sie sei eine "Warnung", das Reformtempo zu beschleunigen. Er pocht darauf, dass alle Kriterien erfüllt seien - "sonst hätte es keine Unterschrift der EU-Regierungschefs unter den Beitrittsvertrag gegeben." Freilich: "Die Reformen müssen weitergehen." Hinsichtlich des EU-Beitritts sei ein wesentlicher Teil der Reform der Staatsfinanzen die Umlenkung der Einkommenssteuern an die Lokalverwaltungen. "Das brauchen wir, um die Mittel der europäischen Kohäsions- und Strukturfonds absorbieren zu können", erläutert er.

Der jüngste Einbruch der ausländischen Direktinvestitionen macht Kolodko keine Sorgen: "Das ist nur vorübergehend, ich spüre schon den Atem der Investoren in meinem Nacken."

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