Die Waldprivatisierung ist ins Stocken geraten, 83 Prozent sind im Staatsbesitz.
WARSCHAU/WIEN. In den meisten osteuropäischen Staaten ist zwar der Großteil der landwirtschaftlichen Flächen bereits in privaten Händen, die Privatisierung der Wälder ist aber auf halbem Weg ins Stocken gekommen. "Wir haben vor drei Jahren erneut eine Privatisierungskampagne gestartet, aber haben schnell eine klare Opposition der Bevölkerung zu spüren bekommen", sagt der polnische Umweltminister Czeslaw Sleziak zur "Presse".
Außer für bestimmte isolierte Reviere wird der Status quo also bleiben: Der polnische Staat besitzt 83 Prozent des Waldes, der Rest gehört rund 840.000 privaten Forstbetrieben. In Österreich ist das Verhältnis genau umgekehrt.
Die staatliche Forstverwaltung kämpft mit großen Problemen. Um finanziell selbstständig sein zu können, sind die derzeit 32.000 Mitarbeiter einfach zu viel. "Erst im Vorjahr haben wir 400 Beschäftigte abbauen müssen", sagt Sleziak. Und vorsichtig: Der Abbau müsse weitergehen.
Ein großes Problem hat Polen mit Altlasten aus kommunistischen Zeiten: Im Norden und Osten wurden riesige Flächen mit Monokulturen bepflanzt, die ökologisch nicht stabil sind. Die Aufforstung geht aber weiter: 3,3 Mill Hektar oder 17,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche sind so ertragsschwach, dass sie aus der Agrarproduktion genommen und zumindest zur Hälfte mit Bäumen bepflanzt werden sollen. Die Waldfläche steigt dadurch mittelfristig um mindestens 15 Prozent.
Polen ist gemeinsam mit Weißrussland Besitzer des größten europäischen Urwaldes namens Bialowieza. Dieser Forst ist seit Jahrhunderten praktisch unberührt - er war für die polnische, litauische und russische Führungselite als Jagdgebiet reserviert. Bialowieza ist das letzte Gebiet Europas, in dem es Bisons gibt.
Derzeit sind 16 Prozent der Fläche Nationalpark. Umweltschützer kritisieren, dass außerhalb des Kernbereiches hundertjährige Bestände abgeholzt werden - nicht nur auf der polnischen, viel stärker auf der weißrussischen Seite. Sie fordern, dass die Nationalparkfläche ausgeweitet wird. "Das ist eine offene Frage", gesteht Sleziak ein. "Wir schützen Bialowieza soweit es geht", sagt er. Nachsatz: "Für mehr Schutz bräuchten wir aber mehr Budgetmittel."