D
ass die ÖBB nicht unbedingt zu den Leitbetrieben dieses Landes zu zählen sind, ist ja nicht wirklich neu. Was freilich nicht heißt, dass betriebswirtschaftliche Schmankerln aus dem Hause ÖBB deshalb weniger pikant wären. So lässt uns der für die Bahn zuständige Staatssekretär nun wissen, dass weniger als 40 Prozent des Personal- und Sachaufwands der ÖBB durch Erlöse gedeckt sind. Interessant. Wir halten also auszugsweise noch einmal fest: 1. Allein der Personalaufwand der ÖBB liegt alljährlich über den am Markt erzielten Umsätzen. Ein Umstand, der Unternehmenschefs normalerweise schnurstracks zum Konkursrichter führt.
2. Die Erlöse aus dem Fahrkartenverkauf der ÖBB reichen nicht einmal zur Zahlung der auf Kredit finanzierten Schieneninfrastruktur aus.
3. Die ÖBB brauchen fast doppelt so viele Mitarbeiter wie die Schweizer Bahn, um ein etwa gleich großes Gebiet zu bedienen.
4. ÖBB-Mitarbeiter "vertschüssen" sich im Schnitt mit 53 Jahren in die Pension. Was einmal für Dampflok-Heizer gedacht war, gilt mittlerweile als wohl erworbenes Recht für alle ÖBBler, vom Kartenzwicker bis hin zur Vorstandssekretärin.
5. Auf derzeit 48.000 Aktive kommen rund 70.000 ÖBBler im Ruhestand.
6. ÖBB-Mitarbeiter zwischen 52 und 54 sind im Schnitt 100 Arbeitstage pro Jahr im Krankenstand.
7. Die öffentliche Hand deckt alljährlich die Verluste der ÖBB ab, und zwar ohne jegliche Obergrenze.
W
elche Schlüsse sind daraus zu zie hen? Am ehesten wohl jener, dass es sich bei den ÖBB nicht um ein Unternehmen, sondern um eine lupenreine Kolchose modernen Zuschnitts handelt. Jetzt müsste nur noch jemand auf die Idee kommen, die ÖBB an die Börse zu bringen. Und das ist auch gar nicht zynisch gemeint. Selbst das rotgrüne Deutschland wälzt derzeit Börsen-Pläne für ihre Bahn. Im Falle eines Börsegangs müssten nämlich auch Bahnen, so weit es geht, nach wirtschaftlichen Kriterien geführt werden.
Erfolgsbeispiele dafür gibt es genug. Man nehme nur die AUA. Sie muss heute nicht mehr jede unrentable Pimperlstrecke mit großen Jets bedienen. Wirkliche Reformen sind bei den ÖBB freilich in weiter Ferne. In einer Kolchose haben schließlich noch immer die Arbeitnehmerfunktionäre das letzte Wort. So auch bei den ÖBB. Ende der Debatte.
franz.schellhorn@diepresse.com