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ie Wirtschaft hat derzeit wahrlich nicht viel zu lachen. Und sie sagt auch derzeit bei jeder Gelegenheit, dass sie unter der schwachen Konjunktur, den hohe Lohnkosten, der zu geringen Flexibilität und den steigenden Umweltausgaben leidet. Gerade letztere sind in den vergangenen Monaten immer stärker in den Vordergrund getreten: von den Ökostrom-Förderungen und höheren Energiesteuern über die künftigen CO2-Zertifikate bis zu dem in den Startlöchern befindlichen neuen EU-Chemikalienrecht (siehe Artikel auf S. 16).
Bei der hitzig geführten Diskussion fühlt man sich in die tiefsten 80-er Jahre zurückversetzt: Umweltschutz wird nun plötzlich wieder als Gegenpol, ja fast als Feindbild der Wirtschaft interpretiert. Als hätte es mittlerweile nicht längst einen Konsens gegeben, dass man nur mit der Natur langfristig (oder modischer: "nachhaltig") wirtschaften kann - und nicht gegen die Natur.
Diese Interpretation der Umwelt als neues Feindbild wirklich zu glauben, fällt aber schwer. Denn immerhin findet sich das Bekenntnis zum Umweltschutz im Gegensatz zu den 80-er Jahren nun in jeder Firmenphilosophie und wird von allen Firmenvertretern stolz geäußert.
Was aber ist sonst der Grund für die neu aufgeflammte Kontroverse um die Umwelt? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Umweltpolitik ziemlich unschuldig zu ihrer neuen Rolle als Prügelknabe kommt. Die Wirtschaft ist nämlich - zu Recht - von der Politik enttäuscht. Das Warten auf niedrigere Steuern, höhere Forschungsausgaben, flexiblere Arbeitsgesetze hat zu großem Unmut geführt. Und dieser sucht sich Luft - und als Ventil den offenbar billigsten Prügelknaben: die Umweltpolitik.
martin.kugler@diepresse.com