Meinung: Zweifelhafter Erfolg

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nnovationen gelten gemeinhin als Garant für eine gedeihliche Entwick lung, als Absicherung der Wirtschaftskraft, des Standortes und in Folge auch des teuren Wohlfahrtssystems. Doch Mut zur Innovation hat auch seine Tücken - wie man beim Vergleich der Lkw-Mautsysteme in Deutschland und Österreich beobachten kann: Hierzulande wurde auf ein altbewährtes Road-Pricing-System per Mikrowellenfunk gesetzt, unser "großer Bruder" hingegen wollte das Modernste des Modernen umsetzen, und ist damit so hochkant gescheitert, dass nun sogar die Wiedereinführung von Vignetten diskutiert wird - was ein Rückfall in die verkehrspolitische Steinzeit wäre, werden dabei doch Vielfahrer belohnt.

Die konservative österreichische Systementscheidung kann man lückenlos in die Mentalitätsgeschichte der letzten Jahrzehnte, ja sogar der letzten Jahrhunderte einreihen. Schon mit dem Start von Dampfmaschine und Eisenbahn war die Monarchie seinerzeit Jahrzehnte hinten. Auch in der Zwischenkriegszeit legten die Regierungen das Schwergewicht auf Erhalten und Bewahren - anstatt offensiv die Zukunft zu gestalten. Und wie die Innovations-Aversion heute wirkt, konnte man in den 70-er Jahren beim Atomkraftwerk Zwentendorf beobachten. Und derzeit wunderschön bei der abstrusen Diskussion über Bio- und Gentechnologie.

Auch wenn bei der Lkw-Maut das Alte offenbar wirklich besser ist als das Neue: Triumpfgeheul, dass der österreichische Weg des Setzens auf Bewährtes richtig ist, ist alles andere als angebracht. Denn Österreich hinkt bei Ausbildung und Forschung - den beiden wichtigsten Voraussetzungen für die künftige Entwicklung - weit hinten nach. Man blicke dazu nur in den jüngsten OECD-Bericht, in dem Österreich bei Investitionen in Wissen erneut unter dem Durchschnitt liegt. Innovations-Scheu ist und bleibt eine Zeitbombe. Und sie rächt sich schneller, als vielen lieb ist.

martin.kugler@diepresse.com

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