Wann, wenn nicht jetzt?

D
ie skandinavischen Länder haben es vorgezeigt: Dort gab es seit 1980 kein einziges Jahr, im dem die Forschungsausgaben nicht gestiegen sind. Auch in den Jahren, als Finnland durch den Zusammenbruch der Sowjetunion der wichtigste Wirtschaftspartner weg gebrochen ist.

Österreich ist anders: Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es einen Wirtschaftsminister namens Hannes Farnleitner, der die Fördermittel in den Forschungsfonds kurzerhand auf Null stellte. Und das war kein Einzelfall. Die EU-Kommission hat völlig recht, wenn sie nun meint, dass gerade jetzt in der Krise der richtige Zeitpunkt ist, bei der Forschung Gas zu geben - um aus der Stagnation heraus voll los zu starten und vielleicht doch an die USA heranzukommen.

Was tut aber Österreich? Wir machen mit unseren Traditionen munter weiter. Wenn bei der Budgetrede am Mittwoch nicht noch ein Wunder passiert, dann legt die Regierung heuer eine Pause in der Forschungsoffensive ein. Die Sondermittel für die vergangene Legislaturperiode sind ja bereits ausgegeben, Geld aus der neuen Tranche fließt erst 2004.

Gewiss: Die Budgetnöte sind drängend, und in Streik-Zeiten hat das Langfrist-Thema Forschung kein "Leiberl". Aber folgende Zahlen sollten doch zu denken geben: Ein Viertel bis die Hälfte des Wirtschaftswachstum geht auf das Konto von Innovationen. Das weiß man seit fast 100 Jahren, und zwar von Joseph Alois Schumpeter - der offenbar wie viele andere Große des Landes ein österreichisches Schicksal erleidet und der Vergessenheit anheim fällt.

martin.kugler@diepresse.com

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.