Rudolf Schwarzböck, oberster heimischer Bauernvertreter, fordert im "Presse"-Gespräch eine Ausbildungs- und Investitions-Offensive.
WIEN. "Wir müssen nun die Weichen stellen, um den Agrarstandort Österreich in Zukunft zu sichern." Wie Rudolf Schwarzböck, der Vorsitzende der Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern, im "Presse"-Gespräch betont, reicht dazu die herkömmliche Agrarpolitik nicht mehr aus. "Nach dem EU-Beitritt haben wir die Umweltprogramme und die Bergbauernförderung geschaffen, das war richtig und notwendig." Aber diese Politik, die die Multifunktionalität und die flächendeckende Bewirtschaftung sichert, könne man nicht unverändert fortschreiben, meint der oberste Bauernvertreter.
"Nun müssen wir verstärkt in Richtung Beratung und Qualifizierung gehen, um die Bauern in die Lage zu versetzen, die Chancen, die sich bieten, auch wahrnehmen zu können." Damit gekoppelt wünscht sich Schwarzböck eine Umschichtung von Mitteln, die aus der Kürzung der EU-Förderungen ("Modulation") frei werden, in Richtung von Investitions-Programmen.
Schwarzböck warnt davor, die Bauern mit immer neuen Standards zu überfrachten und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu bedrohen. "Das wäre ein Selbstfaller für die Konsumenten und die Gesellschaft: Wir würden Marktanteile verlieren und müssten dafür Lebensmittel aus Ländern mit intensiverer Produktion importieren."
Das gilt etwa für das Bundestierschutzgesetz, das, wie berichtet, morgen vorgelegt werden soll. Man dürfe dabei nicht einfach die jeweils strengsten Vorschriften in den Bundesländern zusammen mixen. "Die Länder sind dort streng, wo sie selbst kaum Produktion haben, zum Beispiel die westlichen Bundesländer bei Schweinen und Geflügel."
Dass die Bauern Reformverweigerer sind - wie ihnen oft vorgeworfen wird -, lässt Schwarzböck nicht gelten. "In der EU-Agrarpolitik haben wir ein so hohes Reformtempo, das in vielen anderen Bereichen nicht akzeptabel wäre." Nachsatz: "Das Tempo können sich manche, die nun gestreikt haben, gar nicht vorstellen."
Die heimischen Bauern haben ein schwieriges Jahr hinter sich: "Der Ernteeinbruch wird durch die teilweise höheren Preise nicht ausgeglichen, deshalb wird sich die negative Einkommensentwicklung des Vorjahrs heuer fortsetzen, vielleicht verschärft sie sich sogar noch", berichtet Schwarzböck.
Umso wichtiger sei deshalb die Hilfe durch die öffentliche Hand. "Politisch sind wir nicht im Stande, den Einkommensverlust auszugleichen, aber über billige Kredite können wir den Bauern Liquidität und dadurch die Möglichkeit geben, den heurigen Verlust in besseren Jahren auszugleichen."