Der ÖIAG-Aufsichtsrat hat für die Voest-Privatisierung einen ehrgeizigen Zeitplan beschlossen. Aufsichtsrat Torggler trat zurück.
wien. Nach vier Stunden und zwei kurzen Sitzungsunterbrechungen war alles vorbei: Der ÖIAG-Aufsichtsrat hat am Freitag die Privatisierung der Voestalpine beschlossen - genauso, wie der Vorschlag des Privatisierungsausschusses lautete. "Wir müssen unsere Aufgaben erfüllen und das haben wir getan", lautete der karge Kommentar zu dem Permanenz-Wirbel von Präsident Alfred Heinzel nach der Sitzung.
Der Zeitplan für den Verkauf, der über die Börse erfolgen wird, ist ehrgeizig. In genau zwei Wochen, am 19. September, soll der Verkauf, über den seit Wochen die Wogen hochgehen, über die Bühne gehen. Wie die "Presse" berichtete, wird das Börseprospekt am 11. September aufgelegt, einen Tag später beginnt das Preisbildungs-Verfahren (Bookbuilding), das bis 18. September läuft. Noch am 18. September wird der ÖIAG-Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung den endgültigen Preis festlegen, wurde aus Aufsichtsratskreisen unmittelbar nach der Sitzung bestätigt. Wiederum einen Tag später beginnt dann der Verkauf der Aktien.
Fix ist auch die Aufteilung des Aktien-Kuchens: Die ÖIAG behält 15 Prozent - also knapp die Hälfte - und begibt auf diese Aktien eine Wandelanleihe (siehe Seite 21). Für Kleinanleger sind fünf Prozent reserviert, 3,5 Prozent gehen an die Voest-Mitarbeiterstiftung, die damit ihren Anteil auf 10,2 Prozent aufstockt. Rund zwölf Prozent wird an institutionelle Investoren aus dem In- und Ausland verkauft. Die getroffene Aufteilung entspreche der von Investmentbanken ermittelten Nachfrage auf dem Aktienmarkt.
Voest-Betriebsrat Gerhard Oberchristl meinte, die Wandelanleihe diene - in Kombination mit der Mitarbeiter-Zuteilung - sei nur ein "scheinheiliges Argument" für eine österreichische Lösung. So könne man behaupten, ÖIAG und Mitarbeiter hielten künftig zusammen noch 25,2 Prozent. Tatsächlich könne niemand sagen, wer die Wandelanleihe zeichnet, sagte Oberchristl, der in den nächsten Tagen über einen Streik der Voestler entscheiden will.
Knalleffekt am Rande: Rechtsanwalt Hellwig Torggler, renommierter Rechtsbeistand der ÖIAG, legte sein Aufsichtsratsmandat wegen möglichen Interessenskonflikten - Torggler gilt als gefragter Wirtschaftsanwalt - zurück. Statt ihm zieht Uni-Wien-Professor Michael Enzinger in das Kontrollorgan ein. Enzinger ist auch Wirtschaftsanwalt.