Akustiker arbeiten nicht nur an der Verringerung der Lärmbelastung durch Autos, sondern auch an der Verbesserung des Klangs.
Autohersteller haben es nicht leicht. Obwohl technisch schon sehr viel geschehen ist, ist Verkehrslärm noch immer jene Geräuschbelastung, die die Menschen am meisten stört. Die Politik drängt auf weitere Absenkungen des Lärmpegels - und dadurch kommt der technischen Akustik eine immer größere Bedeutung zu. Der Lärm von Autos wird von vielen Faktoren beeinflusst. Ein Beispiel: Um Treibstoff zu sparen, werden Autos immer leichter gebaut - wodurch die Karosserie aber anfälliger für Schwingungen wird. Oder umgekehrt: Die verbreitete Kapselung von Motoren zur Schalldämmung erhöht das Gewicht und führt zu einem höheren Spritverbrauch.
Um all diese Einflussfaktoren in den Griff zu bekommen und gleichzeitig die Entwicklung neuer Modelle zu beschleunigen, setzen die Autoproduzenten immer häufiger Computermodelle ein, mit denen schon in einem frühen Entwurfsstadium die Lärmentwicklung ausgerechnet werden kann.
Eine erfolgreiche Forschungsstätte hat sich in Graz entwickelt, traditionell mit der High-Tech-Schmiede AVL List im Zentrum, in den letzten Jahren aber vor allem durch das Kompetenzzentrum ACC Graz, an dem auch Magna Steyr und die TU Graz beteiligt sind. Bei ACC arbeiten 20 Forscher an der Verbesserung der Auto-Akustik - und zwar mit einem hohen Anteil an Grundlagenforschung in Form der Entwicklung von neuen Simulationsmethoden.
Noch um einiges komplizierter als die äußere Schallabstrahlung ist dabei die Simulation des Innenraums: Dort kommen nicht nur die Schwingungseigenschaften des Motors, der Karosserie oder der Auspuffanlage zum Tragen, sondern auch jene von hunderten Ausstattungselementen aus verschiedenartigsten Materialien. Und: Die Fahrgastkabine ist ein Resonanzkörper, in dem sich stehende Wellen aufbauen.
Die Simulation ist deshalb komplex: Eine Rolle spielen etwa die Verbindungsglieder der Bauteile, die Dämpfung durch die Sitzpolsterung oder der Luftspalt zwischen "Himmel" und Blechdach. Dabei geht es nicht nur um eine Verminderung der Schwingungsanregung oder um eine stärkere Dämpfung des Schalls. Man kann etwa auch den Innenraum so gestalten, dass die Schwingungsknoten - also jene Regionen, in denen die Luft kaum schwingt - im Kopfbereich der Passagiere liegen.
Die akustischen Optimierung von Autos hört aber nicht bei der Schallreduktion auf: Vielen Autoherstellern, vor allem in der schon recht lärmarmen Oberklasse, geht es mittlerweile darum, ihre Produkte irgendwie "typisch" klingen zu lassen. Dem Fahrer soll durch das "Klang-Design" etwa ein Gefühl der Motorkraft, der "Sportlichkeit" oder einfach der Zuverlässigkeit gegeben werden. Neben den weiterhin dominierenden optischen und technischen Eigenschaften wird Klang damit zu einem immer wichtigeren Marketing-Instrument. Was auch nicht verwundern darf, ist doch das Ohr nach dem Auge unser zweitwichtigste Organ, mit dem wir Informationen aufnehmen.