Das Verkehrsbüro trennt sich nun auch von seiner Auslandshotelbeteiligung.
Wien. Es war im Getöse rund um die Ablöse von Rudolf Tucek als Chef des Verkehrsbüros Donnerstagabend unbemerkt über die Bühne gegangen: Der Aufsichtsrat bestellte nicht nur Hans Dieter Toth zu Tuceks Nachfolger, er beschloss auch, den 30-Prozent-Anteil des Verkehrsbüros an der Vienna International Hotelmanagment AG (VI) abzugeben.
Die VI betreibt unter anderem drei 5-Sterne-Hotels in Prag, ein Kurhotel in Karlsbad, ein Designerhotel in Dornbirn und ein Hotel in Griechenland. In insgesamt elf Hotels, die rund 1000 Mitarbeiter beschäftigen, macht das Unternehmen knapp 50 Mill. Euro Umsatz und stellte die wesentliche Auslandshotelbeteiligung der Verkehrsbüro-Gruppe dar, die mit der Transaktion knapp ein Viertel ihrer Mitarbeiter verliert. Die VI-Gesellschaftsanteile werden um 1,5 Mill. Euro an die anderen VI-Gesellschafter - die Amber Privatstiftung, die Bocca Privatstiftung sowie Ing. Friedrich Grassi - verkauft. VI-Vorstandsvorsitzender ist und bleibt Rudolf Tucek. Der Verkaufspreis wird in der Branche als sehr niedrig angesehen.
Tucek kann sich nun in aller Ruhe seinem Lieblingsprojekt zuwenden: der Jugendhotelkette "Cube". Der erste dieser "Würfel" wird derzeit im Kärntner Tröpolach gebaut. Tuceks Cube-Engagement wurde von den Verkehrsbüro-Eigentümern auch als Grund für die Spannungen und letztendlich die einvernehmliche Trennung kolportiert. "Ein fadenscheiniges Argument", meinen Beobachter. Sie glauben den wahren Grund für Tuceks Ausscheiden zu kennen: Er habe der der Bank Austria-Creditanstalt nahestehenden AVZ-Holding nur zwölf Mill. Euro Gewinnausschüttung zugebilligt. Dem Vernehmen nach seien 42 Mill. erwartet worden. Und: Es gab Differenzen zwischen AVZ und Tucek über ein Immobiliengeschäft im Zusammenhang mit einem Kitzbüheler Hotel.
Tucek verlässt mit Ende des Jahres das Verkehrsbüro. Sein einvernehmliches Ausscheiden, für das er sich am Dienstag entschieden hat, "um dem Verkehrsbüro durch das ganze Gezeter nicht zu schaden", ließ er sich fürstlich abgelten. Schließlich hatte er noch einen Vertrag bis Ende 2005. Er werde aber bis mindestens Ende März 2004 seinem Nachfolger beratend zur Seite stehen.
Toth - der als Verkehrsbüro-Miteigentümer und als Eurotours-Geschäftsführer das Unternehmen gut kennt - will seinen neuen Job "schnell angehen", sagt er zur "Presse". Er habe schon neue Ideen, die er aber noch nicht verraten will. Die Angst der Tourismus-Gewerkschaft, die vor einer "Zerschlagung des Verkehrsbüro" warnt, kann Toth nicht nachvollziehen. "Das ist völlig unerklärlich und auch unlogisch."
In der Zwischenzeit wurden auch weitere Bande zwischen Tucek und dem Verkehrsbüro zerschnitten: Toth hat seinen Posten in der Tucek-Stiftung aufgegeben. "Ich habe das damals auf Tuceks Wunsch hin übernommen, aber nie etwas operativ dort gemacht", sagt Toth.