Intelligente Textilfasern

2,8 Mrd. Euro werden heuer in die Nanotechnologie investiert, nun kommen die ersten Produkte.

Die Nanotechnologie verlässt schön langsam die Forschungslabors

Der Startschuss zur Nanotechnologie fiel 1989. In einem Labor des Computerherstellers IBM platzierten Forscher 35 Atome des Edelgases Xenon auf ein Metallplättchen - und zwar so, dass unter dem Mikroskop der Schriftzug des Konzerns zu lesen ist. Seit damals hat die Forschung große Fortschritte dabei gemacht, einzelne Moleküle so anzuordnen, dass Materialien mit völlig neuen Eigenschaften entstehen. Die Wissenschaftler hantieren dabei mit Strukturen, die nur einige Nanometer (millionstel Millimeter) groß sind - was 80.000 mal kleiner als der Durchmesser eines Haares ist.

Nach allgemein herrschender Meinung kommt nun die Zeit, in der die ersten Produkte entwickelt werden. Auch in Österreich: Der Komponenten-Hersteller AT&S etwa will 2004 eine Handy-Leiterplatte mit Nano-Bauteilen auf den Markt bringen.

In der Computertechnik geht es vor allem darum, mehr Funktionen in einen vorgegebenen Raum zu bringen und die Produkte dadurch intelligenter zu machen. Zusätzlich bietet die Technologie neue Herstellungsverfahren, die billiger und umweltschonender sind als die Siliziumtechnologie: So kann etwa ein Stempel mit Nanometer-großen Strukturen in einen elektrisch leitenden Kunststoff gepresst werden.

Aber auch in anderen Bereichen bietet die Nanotechnologie neue Möglichkeiten: Entwickelt werden derzeit etwa Metalle mit geringerer Reibung, kratzfeste Lacke, Beschichtungen von Verbandsmaterial, das nicht am Wundschorf kleben bleibt, oder Glasscheiben, die sich gezielt verfärben.

Auch das Militär ist interessiert. Im Mai wird in den USA ein mit 90 Mill. Dollar dotiertes "Institute for Soldier Nanotechnologies" eröffnet. Ziel ist die Halbierung des Gewichts des Marschgepäcks - und zwar dadurch, dass die Funktion von Geräten - etwa zur Erkennung von Giften - als Beschichtungen auf Textilfasern realisiert wird.

Bei der Nanotechnologie kann Europa derzeit gut mit den USA mithalten. In den 90er Jahren wurden in der EU mehr Forschungsarbeiten veröffentlicht, bei der Zahl der Patente liegen die beiden Blöcke gleichauf. Schätzungen zufolge werden heuer weltweit 2,8 Mrd. Euro in die Nanotechnologie investiert. Im französischen Grenoble wurde Ende März ein Forschungsinstitut eröffnet, das im Vollausbau 1500 Mitarbeiter haben soll. Investition: drei Mrd. Euro.

Sehr aktiv ist auch der Ferne Osten: In China flossen bisher 1,8 Mrd. Euro in 900 Forschungsprogramme. Und in Taiwan rechnet man in zwei Jahren mit einem Umsatz von 400 Mill. Euro mit nano-strukturierten Textilien.

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