Ohne politischen Kraftakt wird die Doha-Runde nicht vor 2007 abgeschlossen.
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ffiziell geben sich die WTO- Mitglieder zwar enttäuscht über das Scheitern der Agrarverhandlungen, sie betonen aber, dass dadurch die Welt nicht untergehen würde und dass man die "Doha-Runde" durch vermehrte Anstrengungen noch fristgerecht bis Ende 2004 abschließen könne. Hinter den Kulissen sind aber schon ganz andere Datumsangaben zu hören: nämlich die Jahre 2007 oder gar 2008.
Denn die Agrarverhandlungen sind nicht der einzige gescheiterte Teil des 2001 in Doha vereinbarten Arbeitsprogramms. Auch die Verhandlungen um einen verbilligten Zugang von Entwicklungsländern zu wichtigen Medikamenten sind ja bisher gescheitert. Für die Gespräche über Industriezölle und Finanzdienstleistungen war der Abschluss der Agrargespräche Voraussetzung. Und der für 1. April geplante Verhandlungsstart für das Dienstleistungsabkommen GATS steht auch unter keinem guten Stern. Die meisten der 145-WTO-Mitglieder haben zwar ihre Verhandlungsangebote fristgerecht abgegeben - die USA etwa wollen ausländische Internet-Anbieter oder Versicherungen zulassen, nicht aber Betreiber der Wasserversorgung; die EU konnte sich aber noch nicht auf das seit längerem bekannte Papier einigen, es spießt sich vor allem an der Freizügigkeit von Fachkräften.
Angeheizt durch den Konflikt USA-EU in Folge des Irak-Krieges sind alle Handelsfragen auch stark politisch besetzt, weshalb Beobachtern zufolge nur ein Treffen auf höchster politischer Ebene zu einer Lösung der Blockade führen könnte. Um das für September geplante WTO-Ministertreffen in Cancún nicht mit zu vielen Streitthemen zu überfrachten, hofft man etwa auf eine halbwegs gute Gesprächsbasis beim nächsten G-8-Treffen in Frankreich im Juni.
Der Ton wird aber nicht nur zwischen USA und EU immer unfreundlicher. Auch Australien greift die EU nun frontal an - und Europa konterte mit einer WTO-Klage wegen der australischen Quarantänebestimmungen für Agrargüter.