BSE in USA: Mit der Angst fallen die Preise

In den USA reagieren die Menschen gelassen auf den ersten BSE-Fall und hoffen auf billiges Fleisch.

WASHINGTON. Für furchtlose Fleischesser war die Nachricht aus Moses Lake im Bundesstaat Washington ein Weihnachtsgeschenk: Mit der Angst der Kunden vor Rinderwahn und der Angst der Supermärkte vor Kunden, die nicht mehr kaufen, kommt der Preis für Rindfleisch in den Vereinigten Staaten wieder in erschwingliche Dimensionen. Seit Anfang 2003 sind die Fleischpreise auf Höhenflug, mit Rekordwerten Anfang November: Rippenstücke kosteten 21,99 Dollar das Kilo, Bruststücke 15 Dollar. Mit den Preisen für Rindfleisch zogen auch die Preise für Schweine- und Hühnerfleisch an zwischen zehn und 30 Prozent seit Anfang 2003.

Für die Preisexplosion bei Rindfleisch war eine andere BSE-Kuh verantwortlich: Als Kanada den ersten Fall von Rinderwahn bekannt gab, stoppten die USA binnen Minuten die Fleischimporte aus dem Nachbarland. Die heimischen Erzeuger konnten damit konkurrenzlos wirtschaften.

Erst vor wenigen Wochen brachte die "Washington Post" einen Bericht, wie gut es den Farmern geht. Damit dürfte es vorerst vorbei sein. Beim "Shoppers", einem lokalen Supermarkt nahe der Bundeshauptstadt Washington, ist das Fleischregal ausgeräumt, statt dessen türmen sich Hühner. Derzeit kaufe man kein Rindfleisch ein, weil man nicht wisse, wie die Kunden reagieren, erklärt ein Verkäufer: "Bevor wir auf dem Fleisch sitzen bleiben, bieten wir lieber keines an." Bei der US-weiten Lebensmittelkette "Safeway" sind Rindfleisch-Packungen mit großen, roten Aufklebern versehen: "Minus 20 Prozent" steht da.

Von Panik-Abverkäufen will Supermarkt-Manager Charles Evans aber nichts wissen: "Unser Fleisch wird streng kontrolliert, es ist garantiert BSE-frei, Kunden müssen bei uns keine Angst haben." Aber natürlich will man das Vertrauen mit entsprechenden Preisen fördern. In einer kleinen Metzgerei in Alexandria macht man sich derzeit recht wenig Sorgen: "Nach Weihnachten kaufen die Menschen grundsätzlich wenig Fleisch ein", sagt Alan Sickles. Entscheidend seien die kommenden Tage. Zum Jahreswechsel gebe es üblicherweise eine größere Nachfrage. Bisher habe keiner seiner Kunden Sorgen wegen BSE geäußert.

Wer die Auswirkungen des Rinderwahns sehr wohl spürt ist McDonalds. An der Wall Street gaben die Aktien der Fast-Food-Kette nach. In den Läden liegen mittlerweile Informationsblätter auf: Man sei in keiner Weise in den Skandal verwickelt. Außerdem würden die strengen Sicherheitsvorschriften bei McDonalds verhindern, "dass Kühe mit Rinderwahn zur Verarbeitung herangezogen werden".

Die US-Medien berichten sehr zurückhaltend über die erste Kuh mit Rinderwahn. Es handle sich um eines von 96 Mill. Tieren, das sei kein Grund für Panik, so ein Beamter des Landwirtschaftsministeriums. Als Vorsichtsmaßnahme empfahl er: "Nicht das Hirn eines infizierten Tieres essen."

Für die Fleischfarmer ist die gelassene Reaktion aber kein Grund zum Aufatmen. Sie machen einen Großteil ihres Geschäfts mit Exporten. 90 Prozent gehen nach Japan, Mexiko und Südkorea. Und diese drei Länder haben alle Importe gestoppt. Damit muss das Fleisch innerhalb der USA angebracht werden, was zwangsläufig zu einem Preisverfall führen wird.

Das Landwirtschaftsministerium hat indes einen potenziell Schuldigen gefunden: Die infizierte Kuh stamme aus Kanada, ließ die Regierung wissen. Damit geht, wie schon bei der Suche nach dem Verantwortlichen für den großen Stromausfall an der Ostküste, wieder ein heftiger Streit zwischen den beiden Staaten los: Kanada hat den Verdacht zurückgewiesen und DNA-Tests gefordert.

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