Die alte Marke Sandoz feiert Auferstehung

Der starke Franken versalzt dem Baseler Pharmakonzern Novartis die Bilanz kräftig. Nun wird nur mehr in Dollar abgerechnet.

ZÜRICH. Manchmal kehrt die Geschichte wieder. Anfang dieser Woche hat der Schweizer Pharmakonzern Novartis angekündigt, für seine Sparte Generika (Medikamente, deren Patentschutz abgelaufen ist) eine 117 Jahre alte Marke aus der Versenkung hervorzuholen: Insgesamt 14 Firmen - unter ihnen die Biochemie Kundl - werden nun in Sandoz umbenannt. Also zum Namen eines jener Unternehmen, aus denen Novartis hervorgegangen ist. Beginnend mit dem Jahr 1758 hatten sich in Basel eine Reihe von Farbstoffherstellern etabliert, die im Laufe der Zeit auf Agrarchemikalien und Medikamente umgesattelt hatten. 1960 schließlich kam es zur ersten Bereinigung: Aus Geigy - wo unter anderem DDT entwickelt wurde - und der Chemischen Industrie Basel (Ciba) entstand Ciba-Geigy. 1996 schließlich folgte die Fusion mit der am anderen Rheinufer liegenden Sandoz.

Und die Geschichte der Konzentration der Baseler Pharmariesen ist noch nicht zu Ende: Erst vor knapp zwei Jahren beteiligte sich Novartis zu gut einem Fünftel an der kriselnden Roche, mittlerweile ist der Anteil auf 32,7 Prozent und damit knapp an die Sperrminorität angewachsen.

Aus dem Bauchladen an Beteiligungen wurde in den späten 90er Jahren ein stramm ausgerichteter Konzern: Abgegeben wurden etwa Lebensmittelmarken wie Ovomaltine, der Saatgutbereich wurde in die Firma Syngenta ausgelagert. Nur die - erfolglose - Functional-Food-Sparte hat bisher keinen Käufer gefunden.

Das Management erntet seit einigen Jahren die Früchte dieser Konzentration. Der Umsatz in Landeswährungen ist 2002 um elf Prozent gestiegen, das operative Ergebnis um satte 17 Prozent. Besonders hoch waren die Zuwachsraten im Generika-Bereich, der von Österreich aus gesteuert wird. Allerdings macht der Schweizer Franken dem Konzern einen Strich durch die Rechnung: Beide genannten Kennzahlen wurden durch die starke Währung um nicht weniger als neun Prozentpunkte verringert.

Novartis zieht nun daraus die Konsequenz und stellt ab sofort das Rechnungswesen auf Dollar um. Dem Euro wird die US-Währung deshalb der Vorzug gegeben, weil praktisch alle großen Konkurrenten auch in Dollar bilanzieren. Zudem wird der US-Markt wichtiger, das große Geld wird immer mehr am nordamerikanischen Markt verdient. Novartis hat auf die Verschiebung der Gewichte zwischen Europa und den USA auch auf eine andere Weise reagiert: Die Forschungszentrale wurde aus Basel über den Atlantik transferiert, und zwar ins Wissenschaftsmekka MIT.

Novartis gilt im weiteren Kampf um Marktanteile als gut aufgestellt. Der Konzern hat derzeit nicht weniger als 67 neue Wirkstoffe in der klinischen Entwicklung. In Österreich ist Novartis schon seit 1963 tätig. Damals hat Sandoz die Biochemie Kundl gekauft, die nach dem Krieg von der Brau AG gemeinsam mit einem französischen Offizier gegründet worden war. Kundl zählt heute mit knapp 2300 Mitarbeitern zu den Stützen des Generika-Sektors von Novartis.

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