Russland: Dummheitsdenkmal Lada

Russland hat neue restriktive Zölle für den Import von Gebrauchtwagen eingeführt.

Moskau. Seit 24. Juli 2003 gelten in Russland neue, hohe Zölle für westliche Gebrauchtwagen. Künftig muss man für einen drei bis sieben Jahre alten Golf 1,5 Euro statt der bisherigen 0,85 Euro pro Kubikzentimeter Hubraum berappen. 2,25 Euro je Kubikzentimeter machen die Einfuhr eines großen Jeeps oder eines S-Klasse-Mercedes jetzt überhaupt sinnlos.

Bisher zahlten natürliche Personen, sprich kleine Autohändler, zweimal weniger Zoll als juristische Personen, also Großhändler. Kein Wunder, dass 85 Prozent aller Westautos "privat" importiert wurden. Jetzt wurden die Zölle für alle Importeure angeglichen. Ein kleiner Gebrauchtwagen kostet nun fast so viel wie ein Neuwagen im Laden. Die drakonische Maßnahme wird mit den Interessen westlicher Firmen begründet, die immer stärker auf dem russischen Markt einsteigen, sowie mit der Notwendigkeit, die russische Autoindustrie vor der westlichen Konkurrenz zu schützen. Freilich kann man schlecht etwas schützen, was nicht da ist. Es gibt in Russland kein Auto, das sich mit den westlichen Produkten vergleichen ließe.

"Ich fuhr bisher ein Auto, die wollen aber, dass ich einen Lada fahre", sagte ein Honda-Besitzer im TV. Vorige Woche wurden bei einer Protestkundgebung in Wladiwostok zwei Ladas verbrannt, einer wurde als "Denkmal der russischen Dummheit" einbetoniert.

Es ist nicht ganz klar, weshalb sich der Kreml ausgerechnet jetzt, nur wenige Monate vor der Parlaments- und Präsidentenwahlen entschloss, die Bevölkerung derart zu verärgern. Nach einhelliger Expertenmeinung werden russische Fahrer großer Autos wegen 10.000 Euro mehr nicht auf Lada umsteigen. Bluten müsse wie immer der kleine Mann sein, heißt es. Die Wirtschaftskapitäne gaben bereits zu, dass sich russische Autofabriken nicht reformieren lassen. Die Hoffnung, westliche Hersteller werden neue Autowerke in Russland bauen, geht nicht so bald auf, wenn überhaupt. Ein modernes russisches Auto ist also nicht in Sicht.

In Moskau erwarten Beobachter, dass russische Händler den deutschen Gebrauchtwagenmarkt verlassen, und die Preise dort in den Keller fallen. Beim russischen Lada-Werk werden die Verkäufe noch mehr zurückgehen. Die Diskussion über neue Zölle lief seit Jahren, und die Händler hatten einen Riesenvorrat an Westautos angehäuft. Jetzt werden sie diese losschlagen wollen. Die Preise werden steigen, der illegale Import wird aber nicht abreißen. Als möglicher Umweg werden GUS-Länder mit niedrigen Autozöllen genannt. So kann ein für Kasachstan bestimmtes, in Japan gekauftes Auto sehr leicht unterwegs in Sibirien verschwinden.

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