Kleinanleger haben bei der Voestalpine einen attraktiven Preis bekommen. Der Finanzminister weniger.
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ie Frage, ob die Voestal pine-Teilprivatisierung (15 Prozent der Stimmrechte hält weiter die ÖIAG) eine feine Sache oder ein Riesenflop geworden ist, ist noch nicht eindeutig geklärt: Immerhin zwei Österreicher - der Bundeskanzler und sein Finanzminister - sehen den Vorgang als "großen Erfolg", die Mehrzahl der Experten schwankt zwischen "Murks" und "keine Ruhmestat für den Finanzplatz Österreich".
Tatsächlich hat die ÖIAG mit 32,5 Euro pro Aktie einen ziemlich mäßigen Preis erzielt. Jedenfalls einen, der deutlich unter dem Buchwert liegt und noch viel deutlicher unter der Summe, die beim Verkauf einen strategischen Investor zu erzielen gewesen wäre. Aber selbst ohne En-bloc-Verkauf an einen Strategen (der ja politisch ausgeschlossen wurde, was das gute Recht eines Eigentümers ist) hätte man bei kluger Vorgangsweise 37 bis 40 Euro herausholen können, meinen Beobachter.
Statt dessen ist der Kurs in den vergangenen Wochen bei insgesamt freundlichen Börsen kontinuierlich vom Höchstwert von 37,10 auf zuletzt unter 33 zurückgegangen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass der Markt die Einschätzung der Kritiker teilte. Und die lautet: Die Voestalpine ist zum falschen Zeitpunkt (im Wahlkampf), unter mehrmaligem Strategiewechsel und ständigem politischem Trommelfeuer - also höchst unprofessionell - verkauft worden.
Und das nicht einmal zur Gänze: Bis 2006 gehören ja 15 Prozent weiter der ÖIAG. Und bis dahin wird auch die unsägliche politische Einmischung nicht aufhören. Wie es weitergeht, hat man ja schon am Freitag gesehen, als der Vizekanzler der Republik meinte, die Wandelanleihe, die mit den 15 Prozent der ÖIAG unterlegt ist, gebe dem Land Oberösterreich die Möglichkeit, in Ruhe nach einem Kernaktionär zu suchen. Wie das gehen soll, wenn die Anleihe überwiegend von ausländischen Institutionellen gezeichnet wird, hat Wirtschaftsexperte Haupt nicht gesagt.
Genau solche Aussagen waren es aber, die zuletzt zum Kursverfall beigetragen haben. Die wenigen wirklichen Kleinaktionäre, die gekauft haben, wurden mit dem für den Verkäufer eher desaströsen Preis aber nicht schlecht bedient: Mit 32,50 haben sie ein Schnäppchen gemacht, selbst bei einem Anhalten der politischen Diskussion ist damit das Rückschlagspotenzial nach unten begrenzt. Und wenn die Rechnung der ÖIAG mit der Umtauschanleihe aufgeht (der Wandlungskurs liegt ja über 40), dann könnten sie ein schönes Geschäft machen.
Ob der Börsegang für die Wiener Börse insgesamt so positiv ist, wie Börsechef Zapotocky am Freitag in einer Aussendung meinte, wird man sehen: Ein Großteil der Emission ist ja in "festen" oberösterreichischen Händen verschwunden. Die Liquidität des Titels wird also nicht dramatisch zunehmen.