Duisenberg hält in Zentralbank die Stellung

Gertrude Tumpel-Gugerell hat beste Chancen auf einen Posten im EZB-Direktorium.

ATHEN (apa). Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, bleibt solange im Amt, bis ein Nachfolger gefunden ist. Darauf haben sich am Wochenende die EU-Finanzminister bei ihrem informellen Treffen (Ecofin) in Athen geeinigt. Duisenberg wollte am 9. Juli 2003 zurücktreten, sein designierter Nachfolger Jean-Claude Trichet ist jedoch in ein Gerichtsverfahren wegen eines Betrugsskandals verwickelt, das abgewartet werden muss, bevor Trichet nominiert werden kann.

Einen Zeitpunkt, wie lang er bleibe, wollte Duisenberg nicht nennen. Österreichs Finanzminister Karl-Heinz Grasser meinte zur Duisenberg-Verlängerung, "nichts Besseres kann uns passieren".

Noch keine Entscheidung, aber die überwältigende Mehrheit von elf der zwölf Finanzminister der Euro-Zone gab es für die Österreicherin Gertrude Tumpel- Gugerell als Nachfolgerin der Finnin Sirkka Hämäläinen im Direktorium der EZB. Nur Belgien, das einen Gegenkandidaten präsentiert hatte, konnte nicht zustimmen. Grasser wertete dies als "großen Erfolg" und hofft nun, dass diese Entscheidung durch einstimmige Zustimmung der Staats- und Regierungschefs auch umgesetzt werde. Der griechische Ratsvorsitz werde sich nun bemühen, den belgischen Premier Guy Verhofstadt umzustimmen.

Tumpel-Gugerell, seit 1998 Vizegouverneurin der Oesterreichischen Nationalbank, gilt als Expertin für Finanzmarktfragen und Bankenaufsicht. In der OeNB ist sie für die Ressorts Volkswirtschaft und Finanzmärkte verantwortlich.

Die Niederösterreicherin startete ihre Karriere nach dem Volkswirtschafts-Studium 1975 in der OeNB. Nach einem USA-Aufenthalt beriet sie den damaligen Finanzminister Herbert Salcher. 1984 kehrte die Frau von Arbeiterkammer-Chef Herbert Tumpel in die Notenbank zurück, wo sie seit 1997 dem Direktorium angehört.

Wegen des Irak-Kriegs sehen die EU-Finanzminister trotz "deutlicher Bremsspuren" noch keinen akuten Handlungsbedarf. Sollte sich die Krise aber weiter verschärfen, könnten die Notenbanken mit Zinssenkungen reagieren, erklärte der deutsche Finanzminister Hans Eichel. EU-Kommissar Pedro Solbes und Ratsvorsitzender Nikos Christodoulakis gehen für heuer in der EU von einem Prozent Wachstum aus, 2004 soll es bei zwei bis 2,5 Prozent liegen.

Aus Sorge über die deutsche Wachstumsschwäche, die "die gesamte europäische Konjunktur in den Abgrund zu ziehen droht" (EU-Generaldirektor für den Binnenmarkt, Alexander Schaub), fordert die EU-Kommission von Deutschland Reformen auf dem Arbeitsmarkt und bei den Sozialversicherungen.

Diese Woche veröffentlicht die EU ihre Frühjahrsprognose. Deutschland soll mit 0,4 Prozent Schlusslicht sein.

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