Ein späterer Termin hätte den zuletzt erholten Kurs der voestalpine-Aktie verschlechtert, so der ÖIAG-Vorstand.
WIEN (red). Der politische Aspekt wurde bei der gemeinsamen Pressekonferenz der Staatsholding ÖIAG und der voestalpine AG heute, Donnerstag, in der Wiener Börse ausgeblendet. Der Zeitpunkt vor den oberösterreichischen Landtagswahlen am 28. September, mit dem die Verkaufsvorbereitungen von einer massiven politischen Einmischung auf Bundes- und Landesebene begleitet wurden, wird von der ÖIAG verteidigt. Ein späterer Termin - etwa im Oktober - hätte den zuletzt erholten Kurs der voestalpine-Aktie möglicherweise verschlechtert, sagte ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch.
Keine Vorreservierungen
Die in den letzten Wochen heiß diskutierte Frage nach der Absicherung gegen eine feindliche Übernahme durch eine österreichische Kernaktionärsstruktur (eine Rahmenbedingung der Bundesregierung zum Privatisierungsauftrag) wurde heute weggeschoben. Es gebe keine Vorreservierungen oder Zuteilungen nach politischen Kriterien, hielt Wieltsch dazu fest.
Zeitlich günstig
Wieltsch verwies auch auf die zeitlich günstige Nähe zum guten Ergebnis der voestalpine im 1. Geschäftsquartal 2003/04 (1.4. bis 30.6.), das eine "Explosion" beim Gewinn je Aktie von 27 Cent im Vergleichsquartal 2002 auf 1,29 Euro brachte - aus einem um 386 Prozent auf 51 (10,5) Mio. Euro gesteigerten Periodenüberschuss und einer Steigerung des Betriebsergebnisses Ebit um 82 Prozent auf 74,8 (41,2) Mio. Euro.
Kernaktionärsstruktur schaffen
"Wir sind nicht beauftragt worden, Kernaktionäre zu schaffen, sondern man erwartet von uns Kernaktionärsstrukturen", präzisierte Wieltsch. Deshalb wurde auf Fragen, ob es bevorzugte Zuteilungen für oberösterreichische Landesunternehmen, beispielsweise die Energie AG, geben werde, nicht eingegangen. "Es ist unmöglich, vor der Emission über einzelne Investoren zu diskutieren", sagte Franz Hochstrasser, Vorstand der Erste Bank, die gemeinsam mit der US-Investmentbank JP Morgan die Transaktion begleitet.
Umtauschanleihe
Auch zur geplanten Umtauschanleihe gab es noch keine Details. Diese soll im Ausmaß von 10 bis 15 Prozent des Aktienkapitals der voestalpine begeben und das Volumen vom Zeichnungsergebnis bei der Aktienemission abhängig gemacht werden. Dass bei einer hohen Überzeichnung auf die Umtauschanleihe verzichtet werde, komme nicht in Frage, da es sich dabei um ein "interessantes Finanzinstrument" handle, das sowohl Emittenten als auch Zeichnern Flexibilität einräume, so Wieltsch.
Erste Gespräche mit Interessenten
Heute um 10 Uhr begannen bereits erste Gespräche mit interessierten Investoren. Kleinanleger können Kaufanträge für voestalpine-Aktien ab morgen, Freitag, bei ihrer Hausbank stellen. Je Kleinanleger wird eine Zuteilung bis zu 250 Stück garantiert. Der Kaufpreis wird für Kleinanleger und institutionelle Investoren gleich sein, nur für voestalpine-Mitarbeiter werden 1,5 Mio. Aktien zu einem Vorzugspreis von 28,28 Euro je Stück angeboten.