"Unfriendly Skies" für US-Airlines

Fluggesellschaften bekommen weniger öffentliche Hilfen, als sie gerne hätten. Das wird die Neustrukturierung der Branche stark beschleunigen.

Der Markt soll bestimmen, welche Unternehmen über leben: Dieser Satz, "Kreisen der US-Regierung" zugeschrieben, deutet darauf hin, dass die Amerikaner nun doch nicht gewillt sind, ihre mit den Folgen des Irak-Krieges, aber noch mehr mit hausgemachten Strukturproblemen kämpfenden Fluggesellschaften unbegrenzt durch zu füttern.

Die US-Fluggesellschaften, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 schon gut 15 Mrd. Dollar an direkten und indirekten Beihilfen vom Staat erhalten hatten, wollen wie berichtet noch einmal neun Mrd. Dollar zur Abfederung der Kriegsfolgen.

Sie werden, wie es aussieht, aber höchstens ein Viertel davon bekommen, als Abgeltung für erhöhte Versicherungskosten. Das entspricht ungefähr dem, was auch die EU ihren Airlines zukommen lassen will - allerdings nur für den Fall, dass auch die Amerikaner subventionieren. Die Parole in den USA lautet nun "Neuordnung durch Konkurse". Die Branche leidet ja nicht nur unter dem Irak-Krieg, sie hat auch offenkundige Strukturprobleme. Die lassen sich, wie Experten meinen, mit reinen Subventionen nicht beheben.

Im Gegenteil: Subventionen werden von in Schwierigkeiten steckenden Unternehmen zumeist sofort in Marketingmaßnahmen gesteckt. Das heißt im Normalfall dramatische Ticketpreis-Reduktionen weit unter die Gestehungskosten, um auf diese Art Marktanteile zurück zu erobern.

Das freut zwar die davon profitierenden Passagiere (wenngleich sie einen Teil der Verbilligungen über ihre Steuern selbst bezahlen), bringt aber die noch gesunde Konkurrenz in Schwierigkeiten. Und zwar nicht nur in den USA: Der subventionierte Preiskampf würde sich schwerpunktmäßig auf den Nordatlantikrouten abspielen, wo die Amerikaner in erbittertem Konkurrenzkampf zu europäischen Airlines stehen.

Am Ende hängen dann alle am Tropf. Wie sehr Märkte dadurch aus dem Gleichgewicht gebracht werden können, lässt sich an Branchen mit systematischer Subventionierung schön beobachten. Am internationalen Agrarhandel etwa.

Allerdings: Wenn die US-Regierung ihre Ankündigung wahr macht, und - abgesehen von einer Abgeltung für höhere Versicherungskosten - statt zu subventionieren den Markt "drüberfahren" lässt, dann wird die US-Luftfahrtbranche bald nicht mehr zu erkennen sein: Die "Neuordnung durch Konkurse" wird sehr schnell eintreten. Zwei große US-Airlines, United und US-Airways, sind schon jetzt zahlungsunfähig und fliegen unter Gläubigerschutz. Eine dritte, American, steht unmittelbar davor. Damit würde die Creme der zivilen US-Luftfahrt vom Markt verschwinden.

Und mit United erwischte es noch dazu den wichtigen Überseepartner der Star Alliance, in der auf europäischer Seite die Lufthansa dominiert - und der auch die AUA angehört.

Aber auch auf europäischer Seite wird der Markt wohl bald zuschlagen: Da gibt es relativ gut aufgestellte Gesellschaften wie die Lufthansa oder British Airways, Airlines, die auf dem weg dorthin sind, wie etwa die AUA. Und solche, die von Insolvenz zu Kapitalschnitt taumeln, wie etwa die Swiss.

Einer wirklichen Marktbereinigung steht hier allerdings das Konzept der "nationalen Airline" entgegen: Jeder Staat hält sich seine eigene Airline - und interkontinentale Lande- sowie Streckenrechte sind vielfach daran gebunden, dass die Airline mehrheitlich in "nationalem" (aber nicht unbedingt staatlichem) Besitz ist. Das macht es unmöglich, dass beispielsweise die Air France transatlantische Linienflüge ab Madrid oder Zürich anbietet.

Solange dieses "National Carrier"-Prinzip gilt, wird Europa eine Strukturbereinigung a la USA wohl nicht sehen.

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