Rattern oder Rien ne va plus: In der Glücksspielbranche kämpfen Croupiers gegen Automaten.
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und um das portugiesische Würfelspiel Banca Francesa sammelt sich eine Menschentraube. Beim Black Jack spielen die Gäste bereits aus der zweiten Reihe mit. Und die Roulette-Tische biegen sich vor Jetons. Im Life-Game-Raum arbeiten hinter jedem Spieltisch zwei bis drei Croupiers. "Hier ist es immer gut voll, auch unter der Woche", erzählt einer davon, Pedro. Doch in Wahrheit ist dieser Bereich mit sogenannten Lebend-Spielen wie eben Roulette, Black Jack oder Poker nur noch eine kleine Enklave im Riesenkasino Espinho bei Porto. 1000 Automaten kommen auf gerade einmal 23 Spieltische. In Estoril sind sogar 1500 Automaten unter einem Dach.
Portugal ist aber keine Ausnahme. Im Gegenteil. Am meisten nehmen französische Kasinos mit Automaten ein: 95 Prozent. In Portugal sind es 85, in Deutschland über 80 Prozent. Und in Österreich liefern Slotmaschinen den Casinos Austria bereits 62 Prozent des Umsatzes. Auch weltweit ist der Trend nicht aufzuhalten. Über alle Kasinos gerechnet, stammt rund die Hälfte der Einnahmen von den Spielgeräten, die Hälfte von Life-Spielen.
Für Johannes Hahn, Vorstandschef des österreichischen Automatenherstellers Novomatic ist diese Entwicklung ein Grund zur Freude. "Wir sind mit unserer Produktionstochter Austrian Gaming Industries (AGI) bereits Nummer drei in Europa." Nur die deutsche Atronic und die spanische Unidessa sind größer. 500 bis 600 Geräte werden pro Woche gefertigt, der Großteil davon in Gumpoldskirchen. Das soll auch so bleiben, sagt Hahn. "In Tschechien und Ungarn gibt es zwar auch schon Werke, aber die Produktivität ist hier viel höher." Der Umsatz mit Spielautomaten soll heuer auf 110 Mill. Euro steigen, inklusive dem Betrieb von mittlerweile 50 Kasinos (die meisten davon in den Reformstaaten) setzt der Konzern mit 330 Mill. Euro heuer um 20 Prozent mehr um als 2002.
Doch der Automaten-Trend schafft auch Probleme. "In Deutschland etwa streiken regelmäßig die Croupiers", sagt AGI-Manager Jens Halle. Auch in Österreich fürchtet die Berufsgruppe um ihre Jobs. "Es wurde noch kein einziges Großgerät verkauft", so Hahn, weil sich die Croupier-Gewerkschaft dagegen wehre. Mit den sogenannten Touchbet-Roulettes können bis zu 80 Terminals elektronisch an einen Roulette-Kessel angeschlossen werden. Ein Croupier ist eigentlich nicht mehr nötig. Außerhalb Österreichs haben die Casinos Austria diese Geräte bereits angeschafft.
Und das laute Rattern kommt mittlerweile auch nur mehr aus dem Lautsprecher, denn Münzen sind "von gestern", wie der Casino Espinho-Direktor Manuel Violas sagt. Hier gibt es nur noch Karten, auf denen Gewinne und Verluste verbucht werden. Auch dieser Trend wird sich in Österreich wohl durchsetzen.