Serbien: Internationale Wirtschaftswelt reagiert ruhig auf neue Instabilität

Ausländische Handelsvertretungen geben Entwarnung, die Privatisierung läuft weiter.

Belgrad. Wie wirken sich die dramatischen Ereignisse der letzten Woche - die Ermordung des Premier Zoran Djindjic und die Ausrufung des Ausnahmezustandes - auf die serbische Wirtschaft aus? Erste Einschätzungen klingen vorsichtig positiv: Ausländische Handelsvertretungen haben schnell Entwarnung gegeben, "Ausnahmezustand klingt schrecklich und gefährlich", sagt der österreichische Handelsdelegierte Herbert Preclik. "Doch, wie der Nachfolger von Djindjic, Zoran Zivkovic, sagte, die Maßnahmen richten sich gegen Kriminelle und nicht gegen das Volk." Dienstreisen seien kein Problem, man werde höchstens öfter kontrolliert, sagt er.

Sein deutscher Kollege Martin Knapp sieht das recht ähnlich: "Wenn die Deutschen das Wort Ausnahmezustand hören, glauben sie, es herrschen schreckliche Zustände. Man muss jetzt erklären, wozu das dient."

Die Unternehmer bewahrten jedenfalls Ruhe: Seriöse Unternehmer würden sich davon nicht abschrecken lassen, meint Preclik. "Die schauen sowieso langfristig", sagt er. Ganz ähnlich äußert sich Miroslav Stojanovic von der in Serbien tätigen österreichischen Anwaltskanzlei Wolf Theiss: "Niemand hat storniert", erzählt er.

Rückzieher bei den großen Privatisierungsvorhaben sind bisher ausgeblieben: Keiner der Interessenten an der serbischen Tabakindustrie hätte zurückgezogen, zitierte die Agentur Beta das serbische Wirtschaftsministerium. Tabakgiganten wie Philip Morris und British American Tobacco, aber auch Austria Tabak haben Angebote eingereicht. Der Verkaufsprozess soll Ende März beginnen.

Dass Zivkovic der ausländischen "Community" kaum bekannt ist, wird als weniger wichtig bewertet: "Die Besetzung der Schlüsselministerien bleibt ja dieselbe", sagt Preclik. Hier muss der deutsche Handelsdelegierte noch mehr Überzeugungsarbeit leisten: "Aufgrund der starken Medienpräsenz Djindjics in Deutschland muss man jetzt klar machen, dass der Reformprozess nicht nur von Djindjic getragen wurde", erklärt Knapp.

Zivkovic und die Regierung haben jedenfalls bekräftigt, dass der von Djindjic eingeschlagene Reformkurs weiterhin verfolgt werde. Die Aufhebung des Ausnahmezustands wurde für Ende April angekündigt.

Mit der gestrigen ersten Sitzung des Parlaments nach dem Attentat soll die reguläre Arbeit wieder aufgenommen werden. Unter anderem stehen das Leasing- und das Spielbanken-Gesetz zur Abstimmung an; auf letzteres warten vor allem die Casinos Austria, die hier eröffnen wollen.

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