Kasino und kalifornischer Wein out

Der Krieg im Irak hat auch auf die österreichische Wirtschaft Auswirkungen. Vorerst meist nur kleine.

Wien. Die Bomben fallen. Und selbst in der von der Kriegsregion weit entfernten österreichischen Wirtschaft löst dies in manchen Bereichen ein kleines Beben aus: So stellen etwa die Casinos Austria und die Österreichischen Lotterien derzeit eine deutlich gedämpfte Geschäftsentwicklung fest. Wie stark sich die Kämpfe auf die Besucher- und Spielergebnisse auswirken wird, sei aus heutiger Sicht noch nicht abzuschätzen und werde von dem Verlauf des Kriegs abhängen. Die Gründe für die schwindende Spielleidenschaft seien nicht nur in der menschlichen Psychologie begründet, sondern zum Teil auch ein schlichtes Zeitproblem, sagt Casinos-Sprecherin Bettina Strobich: "Viele Leute sitzen in diesen Zeiten vor dem Fernseher und verfolgen die aktuellen Nachrichten."

Mehr Fernseher werden aber derzeit noch nicht gekauft: "Der Krieg hat bis jetzt nicht den Effekt einer Fußball-Weltmeisterschaft", sagt Manfred Warmuth, Geschäftsführer der Elektrohandelskette Cosmos. Im Vergleich zu früheren Monaten und Jahren seien keine Unterschiede bei der Frequenz der Kunden und bei den Einkäufen zu bemerken. Auch in den Supermärkten stellt man "nicht wirklich" ein geändertes Konsumverhalten fest. "Aber ganz vereinzelt gibt es Kunden, die jetzt keinen kalifornischen Wein mehr kaufen wollen", sagt Nicole Berkmann, Sprecherin der Handelskette Spar.

In Hamburg haben zehn Restaurants aus Protest gegen den Krieg Coca-Cola, Budweiser-Bier und Marlboro-Zigaretten aus ihren Sortiment gestrichen, statt dessen wird etwa Afri-Cola aufgetischt. In Österreich sind solche Fälle noch nicht bekannt.

Deutliche Auswirkungen hat der Krieg aber auf die heimischen Reisebüros: Nicht erst seit Ausbruch der Kriegshandlungen schon seit Anfang März gehen die Buchungen spürbar zurück. "Es ist nicht erfreulich, was man aus dem Irak hört. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Leute nicht so in guter Stimmung sind und fortfahren wollen", sagt Joseph Reitinger-Laska vom Verein für Touristik, einer Vereinigung mittelständischer Reisebüros. Einbrüche seien überall zu verzeichnen: Nicht nur bei Flugreisen, auch bei relativ sicheren Autoreisen nach Italien. Das Buchungsverhalten sei merklich eingeschränkt, sagt auch Thomas Krieger, Chef des Reisebüros Tai Pan. Die Buchungen für April bis Oktober lägen derzeit zehn bis 15 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Die heimische Austrian Airlines-Gruppe plant derzeit über bereits bekannt gegebene Kapazitätskürzungen hinaus keine weiteren Maßnahmen wegen des ausgebrochenen Irak-Krieges. Die Gruppe aus AUA, Lauda Air und Tyrolean Airways hat gegenüber dem Plan 600 Flüge im März und 1050 Flüge im April gestrichen. Aus dem Programm genommen wurden wegen Nachfrageschwäche bisher die Verbindungen nach Bremen und Manchester.

Dass die meisten Reiseveranstalter noch betonen, ihre Ziele seien recht gut gebucht, hält Reitinger-Laska für "faustdicke" Lügen. "Selbst wenn ich zehn Leuten eine Reise schenken würde, täten diese nur drei Personen annehmen. Die Reiselust fehlt." Nach Ansicht von Reitinger-Laska werde auch der österreichische Tourismus bald merklich unter den Kriegsfolgen leiden - und zwar nicht nur wie jetzt in erster Linie die hochpreisigen Stadthotels in Wien, Innsbruck und Salzburg.

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